Archiv

Juni 2026
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 
 
 

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Aargauer Zeitung: "Margraf...
Bis vor einigen Monaten war unklar, ob Jürgen Margraf...
sesaminput - 21. Nov, 10:21
Geht Margraf doch nicht...
Jürgen Margraf habe sich noch nicht endgültig festgelegt,...
sesaminput - 21. Nov, 10:18
interessante Info zur...
Renato L. Galeazzi hat das Staatsexamen 1968 in Bern...
so nicht - 16. Okt, 18:25
NZZ-Leserbrief 13.8.09,...
Das Papier der Arbeitsgruppe «Lesson learned» (leider...
sesaminput - 16. Okt, 13:32
"Sesam" heisst auf Englisch...
Was in der Schweiz mit 3'000 Kindern scheiterte, soll...
sesaminput - 9. Jul, 08:26

Hinweis

-+-+-+-+-+-+-+-

Montag, 5. Februar 2007

Margraf in "uni nova" über Risikowahrnehmung

Jürgen Margraf im Magazin der Uni Basel vom November '06, das unter dem Motto "Neue Krankheiten, moderne Risiken" steht:

Die Vögel und die Furcht

Risiken werden ganz unterschiedlich wahrgenommen und bewertet. Die Psychologie kann mithelfen, zu erkennen, welches die wirklichen Gefahren sind, mit denen wir es zu tun haben.

In diesem Jahr sind in der Schweiz nach Schätzungen bereits rund tausend Menschen an Suizid gestorben, einige Hunderte bei Verkehrsunfällen, viele an der Immunschwächekrankheit Aids und andere an der ganz «normalen» Grippe – aber noch niemand an der Vogelgrippe (Stand: Oktober 2006). Warum fürchten viele Menschen dann eigentlich die Vogelgrippe mehr als die normale Grippe, den Autoverkehr oder den Suizid? Wer in diesem Sommer in der Internet-Suchmaschine Google das Stichwort «Vogelgrippe» eingab, stiess auf über 5,6 Millionen Einträge; der ursprüngliche Begriff «Geflügelpest» ergab noch 1,1 Millionen Treffer. Bei der Beschäftigung mit Risiken sind drei verschiedene Ebenen auseinander zu halten: erstens die fachlich-technische Risikoanalyse, zweitens die Psychologie und die individuelle Wahrnehmung des Risikos – davon soll hier vor allem die Rede sein – und drittens die Soziologie des Risikos, auf deren Ebene die soziale Wertedebatte etwa über die Themen Freiheit und Schutz stattfindet.
Die Psychologie hat die Mechanismen der Risikowahrnehmung systematisch erforscht. Ihre Erkenntnisse können uns helfen, die wichtigen von den weniger wichtigen Gefahren zu unterscheiden und unser Verhalten danach auszurichten.
Begrenzte Rationalität
Bei der Risikowahrnehmung geht die Psychologie von einigen wenigen Grundregeln aus, die auf ein Individuum oder eine Gesellschaft prägend wirken. Eine davon ist, dass wir vor dem Hintergrund unserer jahrtausendealten Entwicklungsgeschichte nur begrenzt rational funktionieren: So wurden die Vorfahren des heutigen Menschen vor rund 120’000 Generationen zu Jägern und Sammlern, vor 500 Generationen entstand die Landwirtschaft, vor zehn Generationen brach das Industriezeitalter an und erst seit einer Generation stehen uns Fernsehen und Computer zur Verfügung. Anzunehmen ist also, dass die früheren Menschheitsepochen der Jäger und Sammler unser Denken und Verhalten viel stärker beeinflussen, als uns bewusst ist.
Eine andere psychologische Grundregel lautet, dass wir mit verschiedenen Gefahren und Risiken vollkommen unterschiedlich umgehen: Wir unterschätzen alltägliche, bekannte und freiwillige Risiken, und umgekehrt überschätzen wir aussergewöhnliche, unbekannte und unfreiwillige Risiken. So kommt es im Alltag regelmässig zu falschen Risikoeinschätzungen.
Befragt nach den drei grössten heutigen Todesrisiken, nannten zum Beispiel Laien in einer Untersuchung Asbest, Giftmüll und starke Medikamente. Aus der Sicht von Fachleuten standen dagegen ganz andere Risiken im Vordergrund, nämlich Rauchen, Bewegungsmangel und Spirituosen. Oder: Wir fürchten uns mehr vor dem Seiltanzen als vor dem Autofahren, vor übermässigem Essen oder Zigarettenkonsum. Dabei beträgt heute die mittlere Verringerung der Lebenserwartung durch starkes Rauchen mehrere Jahre (6,6 Jahre beim Mann, 3,9 Jahre bei der Frau), durch Übergewicht 2,8 Jahre, durch Auto- und Motorradfahren ein halbes Jahr und durch Seiltanzen nur rund vier Monate.
Medieneinfluss
Unsere Risikowahrnehmung wird stark von den Massenmedien beeinflusst. Nicht nur Fernsehen und Radio wirken auf unsere Bewertungen und damit unser Verhalten in Bezug auf Risiken ein, sondern auch Zeitungen und Zeitschriften: Auf der Frontseite der «New York Times» fanden sich zum Beispiel 138 Artikel über Flugzeugabstürze pro tausend (US-amerikanische) Tote; dagegen erschienen nur 0,2 Artikel über Krebs pro tausend Krebstote in den USA und 1,6 Artikel über Gewaltkriminalität pro tausend Mordopfer. So erstaunt es nicht, dass nach dem Absturz einer DC-10 im Jahr 1989 die Buchungen für diesen Flugzeugtyp in den ersten zwei Wochen um 35% zurückgingen – während der Zigarettenverkauf in der Schweiz in den ersten zwei Wochen nach dem Gesundheitswarnungs- Aufdruck fast gar nicht zurückging und auch über das gesamte erste Jahr nur um gerade 3% abnahm. Oft entwickeln sich Schlagzeilen aus eher unscheinbaren Kurzmeldungen, die zunächst nur auf den hinteren Seiten Platz finden. Für den Medienkonsum charakteristisch ist auch die relativ kurze Aufmerksamkeitsspanne, also der beschränkte Zeitraum, in dem sich die durchschnittlichen Zeitungsleserinnen, Radiohörer und TV-Zuschauer für ein bestimmtes Phänomen interessieren. So zeigte sich in einer Studie für die Jahre 2000 und 2001 ein klarer Zusammenhang zwischen deutschen Fernsehnachrichten und dem Rindfleischkonsum der Bevölkerung: Als im Herbst 2000 die Zahl der monatlichen TV-Beiträge von null auf über 300 stieg, brach der Rindfleischkonsum auf weniger als einen Drittel des früheren Werts ein. Dieser wurde dann in etwa wieder im Herbst 2001 erreicht, nachdem die Fernsehbeiträge wieder auf nahezu null zurückgegangen waren.
Unsichtbare Killer
Kurz: So genannte «slow killers», die alltäglichen und langsam voranschreitenden Gefahren und Risiken, sind in den Medien klar unterrepräsentiert. Dabei haben die Medien für den individuellen Umgang mit Risiken eine Verstärkerfunktion, das heisst, sie beeinflussen sowohl die Wahrnehmung wie auch das Bewerten und Handeln in Bezug auf Risiken. Das lässt sich bereits auf der Ebene der einfachen Wortwahl zeigen: Der in kurzer Zeit in den Medien verbreitete Begriff «Vogelgrippe» für das eigentlich alte Phänomen der Geflügelpest etwa suggeriert die Neuheit und zugleich die Nähe der Gefahr – da Vögel und Grippe überall vorkommen, kann man sich wohl kaum dagegen schützen, denkt der besorgte Zeitgenosse. Die Risikowahrnehmung beeinflusst auch unsere Verteilungsentscheidungen. Da die Ressourcen immer begrenzt sind, sind Entscheidungen über Verteilungen unausweichlich. Solche Entscheidungen werden besser explizit und wissensbasiert als implizit und ohne Wissensbasis vorgenommen. So sind lebensrettende Massnahmen unterschiedlich teuer: In einer US-Studie betrugen die durchschnittlichen Kosten (Median) pro gerettetes Lebensjahr für den Bereich Umwelt 4200 Dollar, Arbeitsplatz 350 Dollar, Verkehr 56 Dollar, Wohnung 36 Dollar und Gesundheitswesen 19 Dollar. Falsche Reaktionen auf Risiken können ernsthafte Folgen haben: So erhöhte sich in den USA die Zahl schwerer Verkehrsunfälle nach dem 11. September 2001 deutlich, da viele Menschen vom vermeintlich gefährlichen Flugzeug auf das Auto umstiegen. Im ersten Halbjahr nach 9/11 waren auf den Strassen fast tausend zusätzliche schwere Unfälle zu verzeichnen. Die Lehre daraus: Der beste Schutz vor falschen Risiken besteht darin, Risiken allgemein richtig zu verstehen.

Prof. Jürgen Margraf ist Direktor des Nationalen Forschungsschwerpunkts sesam und Ordinarius für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Basel.

Donnerstag, 25. Januar 2007

«sesam»: Der Druck steigt (baz)

Stefan Stöcklin in der baz heute, 25.1.:

«sesam»: Der Druck steigt

Der Nationalfonds spricht erstmals von Fristen

Der Forschungsschwerpunkt «sesam» ist noch nicht startklar. Der Nationalfonds setzt Limiten.

«Wenn bis im Herbst kein verbindlicher Fahrplan vorliegt, wie es mit ‹sesam› weitergehen soll, dann wirds schwierig», sagt Dieter Imboden, Präsident des Nationalen Forschungsrats vom Schweizerischen Nationalfonds. Nachdem das auf 20 Jahre angelegte Projekt bereits im März 2005 bewilligt wurde, floss im Oktober 2005 die erste Jahrestranche von 2,5 Millionen Franken nach Basel. Nach einer Evaluation werden die Gelder jeweils jährlich gesprochen: Im Herbst 2006 gings noch glatt, man nahm Rücksicht auf die juristisch und ethisch komplexe Ausgangslage und bewilligte die zweite Tranche für das Gesuch, das erst Ende Oktober 2006 der Ethikkommission beider Basel (EKBB) vorgelegt wurde. Ihre Zustimmung ist für den Projektstart nötig.

Doch noch ist offen, wo das Projekt, mit dem die Ursachen von Depressionen anhand von Untersuchungen bei 3000 Kindern erforscht werden sollen, diesen Herbst stehen wird. Zwar gibt man sich bei «sesam» zuversichtlich, wie Alexander Grob, stellvertretender Direktor, an einer Veranstaltung letzte Woche darlegte. Doch es gibt bei diesem Projekt noch viele Klippen zu umschiffen. Dies machte jüngst das Rechtsgutachten des St. Galler Juristen Rainer Schweizer deutlich, das dort präsentiert wurde. Das Gutachten listet elf Problemfelder auf und würdigt sie angesichts der verschiedenen Gesetze (vgl. baz vom 19. Januar). Ein Kernpunkt ist die Zulässigkeit der Forschung an nicht einwilligungsfähigen Kindern, zu dem sich Schweizer zustimmend äussert. Andere Rechtsexperten sehen dies aber anders. Besonders komplex wird dieses Thema, weil Erbgut-Proben genommen werden sollen. Zwar würden diese Daten anonymisiert. Genetische Befunde sind aber zurückführbar. Und was das für die Kinder bedeuten könnte, ist eine der Fragen, denen die EKBB nachgeht.

Die Zuständigkeit der EKBB ist ein weiterer Aspekt im Gutachten Schweizers. Dazu heisst es, dass die von der EKBB getroffenen Entscheidungen keine «Rechtsverbindlichkeit» besässen, sie hätten nur «empfehlenden» Charakter. Die juristische Lage ist unübersichtlich, weil mehrere Kantone mit unterschiedlichen Gesetzen beteiligt sind. Mangels eines nationalen Humanforschungsgesetzes, das zurzeit erst entworfen wird, sei nicht klar, welche Regelung gelte. Im Verlaufe des vergangenen Jahres hat die Leitung allerdings die Zuständigkeit der EKBB ausdrücklich befürwortet und schriftlich festgelegt. Davon rückte man auch letzte Woche nicht ab.

Irritierend ist allerdings die Offenlegung dieses Gutachtens ausgerechnet in jenem Moment, in dem die EKBB mit der Begutachtung beschäftigt ist. Deren Präsident Hans Kummer störte diese Aktion vor allem auch deshalb, weil er dieses Gutachten selbst nie in den Händen hatte. Zudem wurde letzten Herbst zwischen der EKBB und der «sesam»-Leitung festgehalten, dass Schweizer «sesam» anwaltschaftlich nicht vertreten solle.

Nun wurde das Gutachten öffentlich gemacht, was Kummer sehr verärgerte. Er hat bei Alexander Grob interveniert und diesen Dienstag einige Exemplare erhalten. Die Kommission werde das Dokument in die laufende Begutachtung aufnehmen. Wann diese abgeschlossen ist, kann er nicht sagen. Nach der ersten Eingabe des Gesuchs Ende Oktober und mehreren Aussprachen warte man bei der EKBB nun auf die zweite Eingabe. Man werde versuchen, rasch ein für alle Beteiligten akzeptables Ergebnis zu finden.

Wird das Projekt bejaht, kann «sesam» mit der Rekrutierung der Probanden starten. Vielleicht steht aber noch eine politische Diskussion bevor. Opposition angesagt hat der Appell gegen Gentechnologie, der 12'000 Unterschriften gegen «sesam» gesammelt hat.

Im Gutachten Schweizers heisst es, dass «sesam» eine hohe Glaubwürdigkeit benötige, um die Teilnehmenden zur Offenlegung ihrer Daten zu bewegen. Das heisst: Wenn die Rekrutierung Probleme macht, könnte auch dies zum Stolperstein werden. Imboden erinnerte letzte Woche an eine Studie zur Spermaqualität, wo es harziger war als erwartet, die Teilnehmer zu finden.

Dienstag, 23. Januar 2007

NZZ heute über sesam: "Verzögerungen und Unsicherheiten..."

In der Neue Zürcher Zeitung heute auf Seite 13:

Warten auf «Sesam»

Verzögerungen und Unsicherheiten bei Forschungsprojekt zur psychischen Entwicklung von Kindern

Der Forschungsschwerpunkt «Sesam» an der Universität Basel, der die psychische Entwicklung untersucht, erfährt Verzögerungen. Zu juristischen Problemen kommen solche der Kommunikation hinzu.

hof. Versprochen hatte der Schweizerische Nationalfonds bei der Ankündigung des Nationalen Forschungsschwerpunkts «Sesam» vor gut einem Jahr «Forschung von höchster Qualität auf internationalem Spitzenniveau». Der Nationalfonds lässt sich das gelobte Projekt einiges kosten: 10, 2 Millionen Franken trägt er an die Gesamtkosten der ersten Projektphase bis 2009 von 22,8 Millionen Franken bei. Die Forscher von «Sesam» (Swiss Etiological Study of Adjustment and Mental Health) wollen 3000 Kinder ab der zwölften Schwangerschaftswoche und ihre Familien während eines Zeitraums von 20 Jahren begleiten. Derart wollen sie ergründen, was die Verschiedenartigkeit individueller psychischer Entwicklung ausmacht. Man erhofft sich davon etwa Resultate für die Depressionsforschung. Angesiedelt ist «Sesam» an der Universität Basel. Angesichts der Eigenwerbung und der Höhe des mit Steuergeldern alimentierten Budgets müsste man annehmen, dass die Verantwortlichen möglichst umfassend über den Stand der Dinge informieren.

Verwirrliche Kommunikation

Doch es macht den Anschein, dass man die Konflikte, die rund um «Sesam» entstanden sind, auf den Raum Basel beschränkt wissen möchte. So informierten zwar am vergangenen Donnerstag die Projektleitung und der Präsident des Nationalen Forschungsrates, Dieter Imboden, über ein von «Sesam» eingeholtes Rechtsgutachten, das insbesondere zur Frage der juristischen Zulässigkeit von Forschung an Kindern Stellung nimmt. Man lud zu einem ersten Teil der mehrstündigen Veranstaltung einige Basler Politiker ein, die in der Vergangenheit Kritik an «Sesam» geäussert hatten, darunter etwa die Ständerätin Anita Fetz, und zu einem zweiten Teil Vertreter der lokalen Presse und einen Wissenschaftsredaktor von Radio DRS. Dem Vernehmen nach bestand die ursprüngliche Idee darin, breit zu informieren, also auch die nationale Presse beizuziehen und eine Pressemitteilung zu verschicken; dies auch als Reaktion auf den von verschiedener Seite - unter anderem von der SP Basel-Stadt - vorgebrachten Vorwurf, die Projektverantwortlichen verhielten sich in der Sache «Sesam» zu wenig transparent. Doch schliesslich entschied man sich, das Rechtsgutachten einem kleinen Kreise vorzustellen.

Unklare Zuständigkeiten

Dieter Imboden zeigt Verständnis für dieses Vorgehen. «Sesam» befinde sich in einer schwierigen Situation, sagt er auf Anfrage. Das Projekt werde angegriffen und müsse sich inhaltlich verteidigen. Gleichzeitig werfe man den Verantwortlichen Intransparenz vor. Diese «enorme Dynamik» hätten alle Beteiligte von Beginn an unterschätzt. In der Tat hatte sich der Widerstand bereits vor dem offiziellen Start von «Sesam» (Februar 2006) formiert. Die fundamentale Kritik des Projekts erfolgt seit 2005 in regelmässigen Abständen vor allem von Seiten des «Basler Appells gegen Gentechnologie», der die Zulässigkeit der Forschung an Kindern grundsätzlich in Frage stellt. Der Basler Appell hatte im vergangenen März der Ethikkommission beider Basel (EKBB) gar eine von rund 12 000 Personen unterschriebene Petition übergeben. Darin wird die EKBB, die zurzeit das Forschungsprojekt begutachtet, aufgefordert, «Sesam» nicht zu bewilligen. Und die SP Basel- Stadt, die sich zwar in einem Positionspapier nicht grundsätzlich gegen «Sesam» stellt, verlangt, dass «keine öffentlichen Gelder ausgegeben werden, bevor das Projekt von der zuständigen Ethikkommission bewilligt worden ist».

Damit treffen die baselstädtischen Sozialdemokraten einen wunden Punkt, dem sich auch das Rechtsgutachten widmet, das vom renommierten St. Galler Rechtsprofessor Rainer J. Schweizer verfasst wurde. Gemäss der Rechtsschrift, in die die NZZ inzwischen auch Einsicht nehmen durfte (veröffentlicht wurde sie bisher nicht), ist die Zuständigkeit der EKBB aus juristischer Sicht nicht genügend, da nur medizinische, nicht aber psychologische Forschungsprojekte in deren Aufgabenbereich fallen. Bei der Entscheidung der EKBB über das «Sesam»-Projekt könne es sich also rechtlich nicht um eine verbindliche Verfügung handeln, sondern nur um eine beratende Empfehlung.

Weitere Zeit verstreicht

Die «Sesam»-Verantwortlichen haben jedoch mehrmals die Absicht bekundet, sich dem Entscheid der EKBB zu fügen. «Sesam» habe sich verpflichtet, den Auflagen und Bedingungen der Ethikkommission nachzukommen, sagt Daniel Habegger, Sprecher von «Sesam». Auch Forschungsratspräsident Imboden bekräftigt dies. Bis die EKBB ihr Gutachten verfasst hat, werden noch einige Wochen vergehen. «Sesam» wollte bereits Ende vergangenen Jahres mit der eigentlichen Forschungsarbeit beginnen. Habegger rechnet nun damit, dass mit der Rekrutierung von Probandinnen (schwangeren Frauen) im Frühsommer gestartet werden könne. Laut Hans Kummer, EKBB-Präsident, sei innerhalb der Ethikkommission eine Task-Force gebildet worden, die sich mit dem sehr komplexen Forschungsprojekt befasse. Eine erste Stellungnahme habe «Sesam» Ende November erhalten. Man habe zu einzelnen Punkten weitere Angaben verlangt. Nun sei man im Gespräch.

Wie lange hat der Nationalfonds Geduld?

Die Verzögerungen von «Sesam» sind für den Nationalfonds nicht unproblematisch. Für die Mitarbeiter von «Sesam», darunter Wissenschafter, die unter Publikationsdruck stehen, sei es nicht erfreulich, wenn sie lange auf den Beginn der Arbeit mit den Probandinnen warten müssten, sagt Forschungsratspräsident Imboden. Zurzeit sei er zwar zuversichtlich, doch wenn sich «Sesam» noch weiter hinauszögern würde, sähe sich der Nationalfonds veranlasst, über die Bücher zu gehen. Man müsse aber berücksichtigen, dass «Sesam» in Bezug auf Umfang und Inhalt für Schweizer Verhältnisse bisher einzigartig sei. Erfahrungen mit solchen Projekten fehlten; die juristische Sachlage sei nicht restlos klar. Deshalb sei mit Schwierigkeiten zu rechnen. Imboden erinnert an den Freisetzungsversuch der ETH Zürich mit gentechnisch veränderten Pflanzen; dieser musste bis zur Durchführung ein jahrelanges Bewilligungsverfahren durchlaufen.

Freitag, 19. Januar 2007

baz über Schweizers sesam-Gutachten

Die Basler Zeitung schreibt heute:

Rechtsgutachten stützt «sesam»

Für den Nationalen Forschungsschwerpunkt «sesam» hat der Jurist Rainer J. Schweizer ein Rechtsgutachten zwecks Klärung der offenen juristischen Fragen verfasst. Gestern gab die «sesam»-Leitung einer ausgewählten Gruppe von Politikerinnen und Medien Einsicht.

Das Forschungsprojekt «sesam» hat zum Ziel, bei 3000 Kindern Vorgänge zu untersuchen, die zu psychischen Störungen - im Fokus sind vor allem Depressionen - führen. Die Kinder sollen vorgeburtlich erfasst und bis ins Alter von 20 Jahren verfolgt werden. Das vom Bund finanzierte Vorhaben stellt eine Reihe juristisch heikler Fragen, über die in der baz verschiedentlich berichtet wurde. Dazu gehört u.a. die Zulässigkeit der Forschung an nicht einwilligungsfähigen Kindern, die Frage der Entnahme genetischer Proben, der Datenschutz und Haftungsfragen, aber auch das Bewilligungsverfahren an sich.

Zu diesen Fragen hat die «sesam»-Leitung beim Juristen Rainer J. Schweizer im März 2006 ein Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses stand bisher nur einem kleinen Kreis zur Verfügung, was verschiedentlich kritisiert wurde. Gestern nun hat die «sesam»-Leitung ausgewählten Basler Politikern (u.a. Anita Fetz, SP; Margrith von Felten, Grünes Bündnis) und Medien das Dokument auszugsweise vorgestellt. Der Verfasser identifiziert darin elf Problemkreise, die er vor dem Hintergrund der bestehenden internationalen, nationalen und kantonalen Regelungswerke und Gesetze würdigt. Darin geht es nebst den oben erwähnten Punkten auch um die juristische Zuständigkeit der Ethikkommission beider Basel (EKBB).

Schweizer nahm gestern zu zwei Kontroversen detaillierter Stellung: Aus seiner Sicht ist die Forschung an nicht einwilligungsfähigen Kindern in diesem Fall rechtlich zulässig. Eine Rechtfertigung könne aus der Bundesverfassung (Artikel 11) abgeleitet werden. Im Weiteren misst er auch den Eltern das Recht zu, die Forschung an ihren Kindern zu erlauben. Schweizer hält «sesam» juristisch gesehen für durchführbar, wobei am besten ein «Reglement» verfasst werden sollte, welches für alle Vorhaben auflistet, was wie und wann getan werden dürfe und was nicht. Zunächst müsse nun abgewartet werden, wie die Ethikkommission das Vorhaben beurteilt. Alexander Grob, stellvertretender Direktor von «sesam», betonte gestern einmal mehr, dass man sich an dieses Verdikt halten werde.

Gegenwärtig beugt sich die EKBB über das Projekt. Ende Oktober 2006 wurde das Gesuch eingereicht, die Kommission hat darauf innerhalb eines Monats eine erste Stellungnahme abgeliefert. Seither hat es Treffen mit der «sesam»-Leitung gegeben; verlangt wurden Präzisierungen. Der Entscheid dürfte in einigen Wochen vorliegen. Der gestrige Anlass fällt somit in die heisse Phase der Arbeit der EKBB. Die «sesam»-Verantwortlichen wiesen den Verdacht zurück, man versuche nun, die Kommission in irgendeiner Weise unter Druck zu setzen. Man wurde aufgefordert, Transparenz zu schaffen und habe dies getan. Der «sesam»-kritische Basler Appell gegen Gentechnologie wurde allerdings nicht eingeladen, was dieser gestern per Communiqué kritisierte.

basellandschaftliche über Schweizers sesam-Gutachten

Die basellandschaftliche Zeitung schreibt heute:

Das Nationale Forschungsprojekt «Sesam» legt ein juristisches Gutachten vor

Seit eineinhalb Jahren sieht sich der Nationale Forschungsschwerpunkt «Sesam» der Universität Basel mit Kritik konfrontiert (die bz berichtete schon mehrmals). Unter anderem wurde der Vorwurf laut, die geplante Forschung ohne direkten Nutzen für die Teilnehmenden verstosse in der Schweiz gegen die Verfassung bzw. gegen die Grundrechte von Kindern und sei verboten. Weiter behaupten die Gegner, die geplanten Untersuchungen stellten einen Tabu-Bruch in Richtung unethischer Forschung dar.

Auf diese Vorwürfe haben die «Sesam»-Verantwortlichen reagiert und vergangenes Jahr ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Nun liegen erste Ergebnisse vor. Sie wurden gestern ausgewählten Personen präsentiert. Dazu zählten Ständerätin Anita Fetz, Sibylle Schürch, Geschäftsführerin der Nationalen Ethikkommission im Bereich Humanmedizin, sowie die Grossrätinnen Beatrice Alder und Margrith von Felten (beide Grünes Bündnis). Sie hatten im Dezember, anlässlich eines von der SP Basel-Stadt organisierten Podiums über «Sesam», nach dem Gutachten gefragt und Transparenz der rechtlichen Situation des Projekts gefordert.

Für Transparenz wollte man seitens von «Sesam» nun sorgen. Aus dem Gutachten von Prof. Dr. Rainer J. Schweizer aus St. Gallen, das wie gesagt die rechtlichen Grundlagen von «Sesam» abklärt, geht hervor: Es gibt keine gravierenden rechtlichen Hürden für das Projekt. Das Gutachten besagt ganz klar: «Drittnützige Forschung an Kindern ist nicht grundsätzlich verfassungswidrig.» Es wird aber darauf verwiesen, dass Forschung an Kindern besonders strenge Voraussetzungen fordere: Die Untersuchung dürfe nur minimale Risiken und Belastungen für die Untersuchten bringen, und die Erforderlichkeit der Forschung müsse nachgewiesen sein.

Eltern dürfen einwilligen

Dass die Kinderforschung bis anhin vernachlässigt worden ist, haben die «Sesam»-Verantwortlichen von Anfang an betont. Ebenso die Tatsache, dass 48 Prozent aller Menschen einmal im Leben mit psychischen Problemen kämpfen. 50 Prozent davon seien Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren.

Aus dem Gutachten von Schweizer geht in diesem Sinne hervor, dass der Staat nicht nur Kinder zu schützen habe, sondern auch verpflichtet sei, deren Entwicklung zu fördern. Etwa indem er Forschungsprojekte unterstütze, die eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Kinder anstrebe. Diese Pflicht werde durch Artikel 24 der Kinderrechtskonvention noch verdeutlicht.

Widerlegt wird durch das Gutachten auch, dass Eltern keine Befugnis haben, in Forschung ohne direkten Nutzen für ihre Kinder einzuwilligen. Sie dürfen einwilligen, aber nur in Forschung, die vom Staat respektive einer Ethikkommission geprüft worden ist.

Wem glauben?

Letzteres ist im Tun. «Sesam» liegt bei der Ethikkommission beider Basel. Ihre Zustimmung ist für die Glaubwürdigkeit von «Sesam» in der Öffentlichkeit von zentraler Bedeutung, dies ist den «Sesam»- Verantwortlichen sehr bewusst. Sie haben sich deshalb auch verpflichtet, die Auflagen und Bedingungen der Kommission zu erfüllen. «Wir werden alle Entscheide akzeptieren», bestätigt «Sesam»-Sprecher Daniel Habegger der bz. Erwartet wird ein Bescheid im Frühjahr.

Zu diesem Zeitpunkt hinkt man dann mindestens eineinhalb Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan her. Nebst den kritischen Diskussionen ein weiterer Punkt, der «Sesam» nicht ins gewünschte positive Licht rückt. Zum ersten Mal geben die «Sesam»-Verantwortlichen auch zu, die Komplexität, die Grösse des ganzen Forschungsschwerpunktes unterschätzt zu haben. Das alles zusammen mache die Öffentlichkeit unsicher, weiss Habegger. So würde der Inhalt immer mehr in Frage gestellt und nicht nur Fragen zur Umsetzung gestellt.

Und bereits meldet sich auch schon der «Basler Appell gegen Gentechnologie» - der hartnäckigste Kritiker von «Sesam» - mit neuen Zweifeln. Er fragt sich, wieso ein Gutachten von Kurt Seelmann, Rechtsprofessor an der Universität Basel, zu ganz anderen Schlüssen komme als jenes von Schweizer.

Hierauf erklärt Habegger, Schweizer sei eine angesehene Kapazität. Und er erinnert daran, dass der Nationale Forschungsschwerpunkt von Nationalfonds, Bundesrat und internationalen Experten evaluiert und gutgeheissen worden ist. Und alle Genannten nach wie vor dahinter ständen.

Update

Im März 2005 jubelte die Uni Basel über ihren neuen Nationalen Forschungsschwerpunkt «Sesam». Die Studie will 3000 Kinder, deren Eltern und Grosseltern von der Schwangerschaft an rund 20 Jahre begleiten. Sie soll Aufschluss geben über die seelische Gesundheit der Bevölkerung. Die Kosten (bis 2009) sind auf 17 Millionen Franken veranschlagt, der Bund zahlt 10 Millionen. In einer Petition hat der «Basler Appell gegen Gentechnologie» 12 000 Unterschriften «gegen die Forschung an Kindern» gesammelt.

Basler Appell: "Geheimniskrämerei geht weiter"

Der Basler Appell gegen Gentechnologie publizierte gestern Donnerstag das folgende Communiqué:

Geheimniskrämerei bei «SESAM» geht weiter

Heute Donnerstag wurde das vom Nationalen Forschungsschwerpunkt «SESAM» in Auftrag gegebene Rechtsgutachten vorgestellt. Allerdings nur wenigen «ausgesuchten» PolitikerInnen sowie einzelnen Vertretern der Presse. Der Basler Appell gegen Gentechnologie, größter Kritiker der umstrittenen Studie, war nicht geladen. Auch der Öffentlichkeit, die «SESAM» massgeblich finanziert, war der Zutritt verwehrt.

Bereits im August letzten Jahrs wurde bekannt, dass die Projektleitung von «SESAM» den St. Galler Juristen Rainer Schweizer damit beauftragt hat, die Rechtslage rund um den Nationalen Forschungsschwerpunkt «SESAM» zu sondieren. Das, was der Basler Appell gegen Gentechnologie von Anfang an als einen der Hauptkritikpunkte gegen «SESAM» ins Feld geführt hatte, nämlich, dass «SESAM» zumindest in Teilbereichen nicht rechtskonform ist, gab also auch der Projektleitung von «SESAM» zu knabbern. Möglicherweise wollte man auch herausfinden, ob man eine ethische Beurteilung durch die zuständige Ethikkommission beider Basel (EKBB) allenthalben umgehen könnte. Das Rechtsgutachten wurde heute vom Autor persönlich vorgestellt. Wie man es allerdings von «SESAM» her gewöhnt ist, wurde keinesfalls öffentlich informiert. Im Gegenteil, man agiert weiter im Verborgenen. Weder der Basler Appell gegen Gentechnologie, dem man zu Unrecht vorwirft, er würde den Dialog verweigern, war eingeladen, noch die Öffentlichkeit hatte Zutritt. Nur einer Handvoll PolitikerInnen wurde das Gutachten vorgestellt, ebenso einigen wenigen VertreterInnen der Presse.

Die misslungene Kommunikationspolitik bei «SESAM» wird fortgeführt. Soweit bekannt wurde, sieht der Gutachter keine gravierenden rechtlichen Hürden für «SESAM», es gelte lediglich, einige Punkte zu regeln. Dies stellt allerdings nur eine juristische Einzelmeinung dar. Der bekannte Strafrechtler und Rechtsphilosoph Kurt Seelmann, Ordinarius an der Universität Basel, kommt laut einem Artikel vom 12.8.06 in der NZZ zu ganz anderen Schlüssen. Zudem wurde das Rechtsgutachten im Auftrag von «SESAM» erstellt, was nicht unbedingt dazu beiträgt, den Inhalt glaubwürdiger zu machen.

Dem Forschungsprojekt «SESAM» läuft die Zeit davon: Bereits anderthalb Jahre sind verstrichen, und noch immer ist der Beginn der Hauptstudie nicht in Sicht. Die zuständige Ethikkommission hat noch nicht entschieden. Sie wartet offenbar wieder einmal auf Unterlagen von der Projektleitung. Auch dies ist nichts Neues aus dem Hause «SESAM». Der Basler Appell gegen Gentechnologie lässt unterdessen in aller Ruhe die juristischen Möglichkeiten prüfen, das Projekt weiter zu verhindern. Vielleicht läuft sich das Projekt auch einfach tot: Es erscheint zunehmend unwahrscheinlich, dass «SESAM» es schaffen wird, die für die Studie notwendigen 3'000 schwangeren Teilnehmerinnen aufzutreiben.

Mittwoch, 17. Januar 2007

Nachtrag für's Archiv: Publikation Margrafs Berufung

So vermeldete die baz am 23.11.1998 die Berufung von Jürgen Margraf:
Neuer Professor für Psychologie

BaZ. Jürgen Margraf (42) ist vom Universitätsrat zum Ordinarius für klinische Psychologe und Psychotherapie und vom Regierungsrat zum Abteilungsleiter für klinische Psychologie an der Psychiatrischen Universitätsklinik (PUK) Basel gewählt worden. Er tritt auf den 1. April 1999 die Nachfolge von Viktor Hobi an, der auf diesen Zeitpunkt in den Ruhestand treten wird.
Der Deutsche Jürgen Margraf, der seine Studien in Brüssel, Kiel, Tübingen sowie in den USA absolviert hat und in verschiedenen deutschen und amerikanischen Universitäten tätig war, ist seit 1993 Profesor für klinische Psychologie und Psychotherapie in Dresden. Er gilt laut einer Mitteilung der Universität Basel international als einer der profundesten Angst- und Psychotherapieforscher. Er habe auch mehrere Projekte mit der Basler Pharmaindustrie realisiert. Die Kombination eines Ordinariats an der Philosophisch-historischen Fakultät der Uni und der Abteilungsleitung an der PUK ermögliche eine in Europa einmalige Ausbildung in klinischer Psychologie.

Dienstag, 16. Januar 2007

Neue Mitglieder in der Ethikkomission beider Basel

Die baz meldet heute, dass die Ethikkommission beider Basel 2 neue Mitglieder hat:
Der Basler Regierungsrat hat vor wenigen Tagen anstelle der zurückgetretenen Christine Ballmer-Hofer als Mitglieder der Ethikkommission beider Basel [EKBB] Dr. phil Daniela Heimberg und Dr. phil. Sarah Mendelowitsch gewählt. Mit der Wahl von zwei Psychologinnen könne der wachsenden Nachfrage nach spezifischer Kompetenz im Bereich der psychologischen Forschung nachgekommen werden, schreibt die Regierung in ihrer Begründung der Wahl. Die Ethikkommission beider Basel prüft derzeit die Gesuche des umstrittenen Nationalen Forschungsschwerpunktes «sesam» der Psychologischen Fakultät der Universität Basel.
Woher die beiden kommen, ist der baz nicht zu entnehmen und war es auch der Mitteilung des baselstädtischen Regierungsrates nicht. Darum sei das hier nachgeholt, soweit mit einer kurzen Recherche eruierbar. Heimberg ist Psychologin am Kantonsspital Bruderholz bei den Externen Psychiatrischen Diensten. Sie leitet laut baz vom 20.12. das "Care Team Baselland", das "emotionale Erste Hilfe bei Unfällen" leiste. Über ihren Werdegang steht auf dem Umschlag des von ihr verfassten Buches "Zusammenbruch der Gestalt":
Daniela Renate Heimberg, geb. 1963, Studium der Klinischen Psychologie, Sozialpsychologie und Psychopathologie an der Universität Bern. Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Bern (Schizophrenieforschung). Ab 1992 wissenschaftliche Assistentin und Klinische Psychologin am Institut für Psychologie der Universität Basel und an der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel, Leitung des psychophysiologischen Labors. 1999 Promotion. Ausbildung in kognitiver Verhaltenstherapie. Seit 2001 Leitende Psychologin an den Externen Psychiatrischen Diensten Baselland.
Mendelowitsch arbeitet offenbar an der Reha Klinik Rheinfelden und unterrichtet an der Basler Fakultät für Psychologie (wo sesam angesiedelt ist) klinische Neuropsychologie. Sie scheint in der ersten Hälfte der 90er Jahre in Basel dissertiert zu haben über Reuven Feuersteins "Instrumental Enrichment".

Dienstag, 9. Januar 2007

Centrum für Familienwissenschaften lädt zu Podium

Humanforschung bei Kindern und Jugendlichen am Beispiel von Sesam

Auf dem Podium diskutieren:
  • Prof. Dr. Alexander Grob, Fakultät für Psychologie, Universität Basel
  • Prof. Dr. Dr. h.c. Kurt Seelmann, Juristische Fakultät, Universität Basel
  • Lic. phil. Ursula Walter, Basel, Psychologin, Psychoanalytikerin
Diskussionsleitung: Dr. phil. Klara Obermüller, Zürich

9. Februar 2007, 18.15 Uhr Kollegiengebäude der Universität Basel, Petersplatz 1, 4051 Basel, Hörsaal 001

Donnerstag, 28. Dezember 2006

J. Margraf an der Seniorenuni

Die Volkshochschule beider Basel hat die Zusammenfassung von Margrafs Vortrag online gestellt. Hier deren Inhalt:

Das Projekt "sesam" - Menschliche Entwicklung und seelische Gesundheit verstehen
Prof. Dr. rer. soc. Jürgen Margraf
Zusammenfassung
Gesundheit ist für die meisten Menschen das höchste Gut. Viele Menschen empfinden dies mit zunehmendem Alter immer stärker. Gleichzeitig liegen die Wurzeln der Entwicklung zu Gesundheit und Krankheit häufig in der Kindheit und Jugend, wobei Familie und Umwelt über die ganzen Lebensspanne einen wichtigen Einfluss haben. Dies gilt auch für seelische Erkrankungen, an denen weltweit immer mehr Menschen leiden. Die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer seelischen Störung zu erkranken, liegt in der Schweiz derzeit bei über 40%. Der grosse Einfluss seelischer Störungen wie beispielsweise der Depression zeigt sich auch beim Vergleich der Todesfälle durch Verkehrsunfälle und Suizide: Im Jahre 2002 standen in der Schweiz 543 Verkehrstoten (Strasse und Schiene) 1546 Suizide gegenüber.
Was sind die Ursachen und Auslöser von seelischen Störungen wie Depressionen, belastenden Ängsten oder Süchten? Welche Risikofaktoren begünstigen ihren Ausbruch, welche Schutzfaktoren wirken ihnen entgegen? Obwohl diese Fragen von grösster Bedeutung sind, kann die Forschung sie heute noch nicht zufrieden stellend beantworten. Zwar sind viele Einflussfaktoren bekannt, aber es fehlen wissenschaftlich fundierte Befunde über ihre genaue
Wirkung und vor allem ihr gegenseitiges Zusammenwirken. Dieses Wissen ist jedoch die Voraussetzung für die Entwicklung wirkungsvoller Strategien zur Vorbeugung und Behandlung im Bereich der seelischen Gesundheit.
Der Nationale Forschungsschwerpunkt sesam wurde vom Bundesrat im Jahr 2005 ins Leben gerufen, um die komplexen Ursachen zu erforschen, die zu seelischer Gesundheit oder Krankheit führen. Das Programm Nationale Forschungsschwerpunkte (NFS) des Schweizerischen Nationalfonds fördert langfristig angelegte Forschungsvorhaben zu Themen von strategischer Bedeutung für die Zukunft der schweizerischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.
Drei Hauptaspekte prägen die NFS: exzellente und international sichtbare Forschung, Wissens- und Technologietransfer, Ausbildung und Frauenförderung. Zudem sollen die NFS zur besseren Strukturierung der schweizerischen Forschungslandschaft beitragen.
sesam arbeitet mit einem Netzwerk von Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland und kooperiert mit Spitälern in der ganzen Schweiz. Die Heiminstitution des NFS ist die Universität Basel, viele weitere Universitäten kooperieren.
Die Abkürzung "sesam" steht für "swiss etiological study of adjustment and mental health", was mit "Schweizerische Ursachenstudie zu seelischer Gesundheit und Anpassung" übersetzt werden kann. sesam möchte dazu beitragen, menschliche Entwicklung und seelische Gesundheit besser zu verstehen. Dazu begleitet die interdisziplinäre Studie 3000 Kinder und ihre Familien über 20 Jahre, beginnend ab Frühling 2007. Dabei kommt der älteren Generation eine besondere Bedeutung zu. In der mitteleuropäischen Gesellschaft ist das drei-Generationen-Haus selten geworden: Grosseltern werden aus einer Vielzahl von Gründen (immer) weniger in die Erziehung der Enkelkinder einbezogen. Gleichzeitig leben Menschen heute länger und haben damit auch Erwachsene eine viel grössere Chance, noch mit ihren Grosseltern gemeinsam auf der Welt zu sein. Während im Jahr 1900 nur 2% aller 20jährigen lebende Grosseltern hatten, sind dies heute 76%! Grosseltern können das Aufwachsen der Enkel wesentlich bereichern. Und auch umgekehrt kann gelten, dass eine nahe Beziehung zu ihren Kindern und Enkeln die Senior/innen länger jung erhält und zu ihrer Lebenszufriedenheit beiträgt. In sesam wird daher u.a. erforscht, welche Rolle Grosseltern bei der Erziehung oder Transferleistungen zwischen Generationen spielen. Ebenso wird die Frage untersucht, welchen Einfluss grosselterliche Unterstützung auf die psychische Gesundheit aller drei Generationen hat.
Die wichtigsten Ziele, die sesam erreichen möchte, lauten:
  1. gesundheitsfördernde und schützende Faktoren identifizieren
  2. kritische Konstellationen im Lebenskontext verstehen, die einer gesunden seelischen Entwicklung entgegenstehen
  3. zur Entstigmatisierung seelischen Störungen beitragen
  4. Grundlagen für die Entwicklung wirksamer Prävention, Behandlung und Bewältigungsstrategien bei seelischen Krankheiten und Lebenskrisen entwickeln
Der Vortrag informiert über die Hintergründe und Vorgehensweisen der sesam-Studie unter besonderer Berücksichtigung der älteren Generation.
logo

Sesam Watch

Beobachtungen und Notizen zum Schweizer NCCR "Sesam", der 3'000 Kinder und ihr Umfeld vom ersten Ultraschallbild an 20 Jahre lang beobachten wollte (vorzeitiger Abbruch: 13.3.08). Autonom, skeptisch, ehrenamtlich. Kontakt: sesamwatch@gmail.com

Grundsätze



FAIR USE bei Zitaten.

Suche

 



Powered by FeedBlitz

Status

Online seit 7600 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 10. Sep, 15:53

Credits

powered by Antville powered by Helma

sorua enabled
Creative Commons License

xml version of this page

twoday.net AGB

Watchlinks


Aussenreaktionen
Diskussion
Ethik
Finanzen
Geistesverwandte
Grundlagen
Leserbriefe
Margraf
Medienbeobachtung
Medienreaktionen
Politikreaktionen
Sesamkontakt
Sesamprojekte
Sesamreaktionen
Sesamzitat
Veranstaltung
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren