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Was in der Schweiz mit 3'000 Kindern scheiterte, soll...
sesaminput - 9. Jul, 08:26

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Dienstag, 2. Mai 2006

Input von DRS3 über SESAM als MP3

Die Sendung Input vom vergangenen Sonntag über SESAM gibt's jetzt hier zum Download oder Onlinehören podcastlogo als MP3-Datei (rund 20 MegaBytes gross, Hördauer gut 43 Minuten). Analog zu den Podcasts von SR DRS gilt dafür diese Version der Creative Commons Lizenz.

Donnerstag, 27. April 2006

WoZ über Rücktritt von Carola Meier-Seethaler aus NEK

aktuelle WochenZeitung, Seite 16, über den Rücktritt:
CAROLA MEIER-SEETHALER: Die Philosophin tritt aus der Nationalen Ethikkommission aus. Sie beklagt die Ökonomisierung der forschungspolitischen Debatte

Würde mit Bedingungen

Von Marcel Hänggi
Werden in Zukunft in der Forschung Entscheide ausschliesslich aus ökonomischen Gründen gefällt? Ist Ethik nur noch ein Hindernis? Weil sie fürchtet, dass Entscheidungen über neue medizinische Techniken je länger, je mehr vor allem ökonomisch statt ethisch begründet werden, ist Carola Meier-Seethaler aus der Nationalen Ethikkommission (NEK) ausgetreten. Die Philosophin zweifelt, dass eine ethische Entscheidungsfindung noch möglich sei, wenn «Kreise der Wirtschaft oder der Wissenschaft mit dem Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Schweiz argumentieren». Mit ebendieser Argumentation stellte Thomas Zeltner, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), Ende März das neue Humanforschungsgesetz vor. Meier-Seethalers Rücktritt ist vor allem ein Protest gegen dieses Gesetz. Das Humanforschungsgesetz soll die Forschung an Menschen regeln - auch an Menschen, die nicht urteilsfähig sind. «Dabei macht es Zugeständnisse an die Forschung, die noch über die bereits liberalen Regelungen der europäischen Biomedizinkonvention hinausgehen», sagt Meier-Seethaler.
Der Gesetzesentwurf befindet sich in der Vernehmlassung. Bis heute existiert auf Bundesebene kein solches Gesetz; einzig die Stammzellenforschung wurde - auf Druck von Wirtschafts- und Forschungslobby - in ein eigenes Gesetz ausgelagert und Ende 2004 an der Urne angenommen. Es gebe, sagt Meier-Seethaler im Gespräch mit der WOZ, im Entwurf sowohl überzeugende Abschnitte als auch stossende Bestimmungen. Ihr Protest richte sich gegen eine Grundtendenz gegenwärtiger Politik: Man scheine in erster Linie die Forschungsförderung anzustreben, erst in zweiter Linie den Schutz des Menschen.
Im zum Gesetz gehörigen Verfassungsartikel heisst es: «Der Bund sorgt unter Beachtung der Forschungsfreiheit für den Schutz der Menschenwürde.» Dass der Schutz der Menschenwürde unter eine Bedingung gestellt werde, sei in der Verfassung einzigartig. Im Kommentar zum neuen Verfassungsartikel wird ergänzt: «Der Bund darf nur so weit Vorschriften über die Forschung am Menschen erlassen, als er die Forschungsfreiheit nicht unzulässig einschränkt.»
«Ich frage mich», sagt Meier-Seethaler, «inwiefern der Schutz der Menschenwürde eine unzulässige Einschränkung sein kann.» Ein weiterer Grund für ihren Rücktritt ist, dass die Ethikkommissionen gemäss Gesetzesentwurf zur Überprüfung von Forschungsprojekten lediglich eingesetzt werden «können». Ein schlechtes Omen ist in dieser Hinsicht das gross angelegte, langfristige Forschungsprojekt Sesam: Dieses will Kinder vom Mutterbauch bis ins Erwachsenenalter begleiten. Die kantonalen Ethikkommissionen werden zwar angehört, doch das Projekt ist bereits angelaufen. Verweigern die Ethikkommissionen die Bewilligung, gefährden sie Arbeitsplätze. Wer will das schon in einer Zeit, in der alle vom Forschungs- und Wirtschaftsstandort sprechen?
In der derzeitigen politischen Landschaft ist Meier-Seethaler eine Ruferin in der Wüste. Unterstützung erhalten hat sie aus Norwegen: Knut Ruyter, Ethikprofessor in Oslo, hat den Schweizer Gesetzesentwurf auf Einladung der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften begutachtet. Sein Fazit: Lasst den Entwurf Entwurf sein.

Dienstag, 25. April 2006

Sesam auf DRS3 in der Sendung Input

Sonntag, 30. April, 20:03 - 21:00, DRS3

3000 Kinder unter Beobachtung

Das Nationale Forschungsprogramm SESAM will die «die seelische Gesundheit» unserer Gesellschaft durchleuchten. 3000 Kinder sollen über die nächsten 20 Jahre von der 12. Schwangerschaftswoche bis ins Teenageralter begleitet und beobachtet werden, ebenso ihre Eltern und Grosseltern. SESAM will so jene Faktoren finden, die im Leben zu einer psychischen Erkrankung führen können. Gegen dieses Grossprojekt mit Kindern formiert sich heftiger Widerstand. «Input» nimmt SESAM unter die Lupe und beleuchtet die aufkeimende Kontroverse. Eine Sendung von Christian Heuss

Donnerstag, 20. April 2006

Protestrücktritt von Carola Meier-Seethaler aus der NEK

Die NZZ meldet heute auf S. 14 mit diesen paar wenigen Zeilen:
Rücktritt aus der Ethikkommission

Die Philosophin und Psychotherapeutin Carola Meier-Seethaler hat ihren Rücktritt aus der Nationalen Ethikkommission im Bereich Humanmedizin erklärt. Damit will sie ihren Protest gegen den Entwurf des Humanforschungsgesetzes und des zugehörigen Verfassungsartikels ausdrücken. Insbesondere störe sie «die einseitige Tendenz, mit dem Humanforschungsgesetz günstige Rahmenbedingungen für die Forschung zu schaffen», schreibt sie in einer Mitteilung. Es sei für sie «inakzeptabel, dass das Gesetz den Schutz für einwilligungsunfähige Menschen zugunsten von Forschungsinteressen» einschränke.

Sonntag, 16. April 2006

Sesam "on the road"

Da wird Sesam offenbar mit einem Poster (Kurzpräsentation auf Stellwand) präsent sein:
The Centre for Longitudinal Studies, which is responsible for the UK Millennium Birth Cohort Study, and the British birth cohorts of 1958 and 1970, is organising an international conference at St Catherine's College, Oxford, from 12 to 14 September 2006. The conference will focus on the international experience of large-scale birth cohort studies which were started around the turn of the new millennium, i.e. studies whose subjects were born within a decade either side of 2000, and who have so far only been observed as children. The object of the conference is to promote communication and comparison between those designing, conducting and analysing such surveys in different countries.

Donnerstag, 13. April 2006

Jürgen Margraf "on Tour"?

(EPFL) Memento Faculté des Sciences de la Vie : Conférences - Séminaires
Mercredi 26 avril 2006 à 12h15; Understanding Mental Health And Human Development: The NCCR Sesam Par Jürgen Margraf; Salle AAB 032 Host: Carmen Sandi

Freitag, 7. April 2006

baz: Regierung verteidigt das Projekt «sesam»

Die baz berichtet heute über die Interpellationsantwort:

In ihrer Antwort auf eine Interpellation von Beatrice Alder (Grünes Bündnis) verteidigt die Regierung den umstrittenen Nationalen Forschungsschwerpunkt der Universität Basel, «sesam»: Das Projekt, bei welchem die Entwicklung von 3000 Kindern und deren Familien während 20 Jahren begleitet wird und das Aufschluss über die Ursachen psychischer Krankheiten geben soll, sei nicht «mit blossen Vermutungen zu diskreditieren». Die Regierung geht nach Rücksprache mit den Verantwortlichen davon aus, dass «dem transparenten Dialog mit der kritischen Öffentlichkeit noch vermehrt Beachtung geschenkt werden wird». Der Persönlichkeitsschutz innerhalb des Projekts werde ausserdem durch eine strenge Datenschutzregelung gewährleistet. «sesam» war in jüngster Vergangenheit unter anderem deswegen in die Kritik geraten, weil die zuständigen Ethikkommissionen von der Projektleitung nicht involviert worden sind.

Dienstag, 4. April 2006

Jürgen Margraf am 2. gemeinsamen Kongress der Psy-Verbände

Der Leiter von Sesam wird am 24.6.06 offenbar anzutreffen sein hier:

PANEL 7 - LOHNENDE PSYCHOTHERAPIE KOSTET: ÖKONOMIE.

Andreas Frei: Der volkswirtschaftliche Nutzen der Psychotherapie.
Jürgen Margraf: Kosten und Nutzen ambulanter Psychotherapie: Eine ökonomisch-psychologische Analyse.
Volker Tschuschke: Psychotherapie in Zeiten evidenzbasierter Medizin – Wege und Irrwege.
Moderation: Hugo Grünwald

Sesam Tagesthema heute beim "Winterthurer Landbote"

«Sesam» erhitzt die Gemüter

Für seine Forschung an Kindern und Embryonen ist ein grosses Projekt des Nationalfonds in die Kritik geraten. Wissenschafter und Ärzte erhoffen sich jedoch einen grossen Fortschritt für die Behandlung psychischer Krankheiten.

Zu entdecken, was zu seelischer Gesundheit führt: Das ist das ehrgeizige Ziel des Nationalen Forschungsschwerpunktes Sesam (für Swiss Etiological Study of Adjustment and Mental Health). 3000 Kinder sollen dafür in den nächsten 20 Jahren wissenschaftlich begleitet werden, und dies bereits ab der 12. Schwangerschaftswoche. Die zentrale Leitung des Projekts liegt bei Professor Jürgen Margraf von der Universität Basel, aber daran beteiligt sind Kliniken, Institute und Forschungseinrichtungen aus dem In- und Ausland.

Der Nationalfonds will Sesam und seine 12 Teilstudien aus verschiedenen Disziplinen (vgl. Kasten) bis 2009 mit 10 Millionen Franken unterstützen, weitere 12 Millionen sollen aus Eigen- und Drittmitteln finanziert werden. (Der Pharmakonzern Roche hat bereits 6 Millionen Franken zugesagt. Auch das missfällt den Gegnern der Studie.) Die Vorarbeiten zu den eigentlichen Untersuchungen laufen offiziell schon seit dem vergangenen Oktober, Ende Februar trat die Leitung des Projekts damit zum ersten Mal an die Öffentlichkeit. Hintergrund der Studie sei die dramatische Zunahme der psychischen Krankheiten wie Depressionen, Angst- und Suchterkrankungen, sagen die beteiligten Fachleute. Die Weltgesundheitsorganisation WHO rechne damit, dass Depressionen im Jahre 2020 nach Herz- und Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Ursache schwerer gesundheitlicher Beeinträchtigung und vorzeitiger Sterblichkeit sind. Dass die Ursachen solcher Krankheiten dringend untersucht werden müssen, liegt für die Forscher von Sesam deshalb auf der Hand.

Projekt-Stopp gefordert

Doch gegen das Projekt hat sich erbitterter Widerstand gebildet. 12006 Menschen unterschrieben eine Petition des Basler Appells gegen Gentechnologie und fordern damit nichts weniger, als dass Sesam augenblicklich eingestellt wird. Die Petition richtet sich an die Ethikkommission beider Basel EKBB, die bald darüber beraten soll, ob Sesam sich mit geltenden ethischen Richtlinien vereinbaren lässt. Ohne die Zustimmung der zuständigen Ethikkommissionen dürfen die Untersuchungen nicht beginnen. Ein genauer Beschrieb der Studien liegt der EKBB allerdings bis heute nicht vor. Für die Kritiker ist das ein Grund mehr, der Projektleitung mangelnde Transparenz vorzuwerfen.

Die Leute von Sesam sehen das freilich anders: Wie die einzelnen Studien konkret ablaufen sollen, werde derzeit erst ausgearbeitet. Erst wenn das Vorgehen mit allen Details zu Papier gebracht sei, könnten die Ethikkommissionen informiert werden, und erst wenn die Bewilligungen vorliegen, im Detail die Öffentlichkeit. «Sonst würde uns vielleicht erst recht vorgeworfen, wir würden die Kommissionen übergehen», sagt Daniel Habegger von Sesam.

Ohne direkten Nutzen

Im Zentrum der Kritik steht die Tatsache, dass bei Sesam «fremdnützige Forschung an Kindern» betrieben werden soll, also Forschung, die den beteiligten Kindern keinen unmittelbaren Nutzen bringt. Die Kinder würden somit lediglich instrumentalisiert, sagen die Sesam-Gegner. Das Erbgut der Kinder dürfe schon gar nicht untersucht werden, da sie selbst nicht zustimmen können. Zudem verlangen die Kritiker, dass der Nationalfonds mit der Unterstützung solcher Projekte abwarte, bis das neue Gesetz über die Forschung am Menschen in Kraft getreten ist. Das Gesetz befindet sich bis jetzt erst in Vernehmlassung.

Wenn fremdnützige Forschung an Kindern in der Schweiz verboten wäre, könnte man niemals eine Pisa-Studie durchführen, sagt Daniel Habegger von Sesam. «Das würde heissen: Nur noch therapeutische Forschung.» Die Einwilligung für die Teilnahme an wissenschaftlichen Studien dürften statt der Kinder auch die Eltern erteilen.

Tatsache sei, dass es immer mehr Menschen mit psychischen Krankheiten gibt. «Die häufigsten treten mit etwa 14 Jahren zum ersten Mal auf, entwickeln sich aber viel früher. Wir haben fast keine Kenntnisse über die tatsächlichen Ursachen solcher Erkrankungen. Wenn wir daran nicht forschen würden, wäre das auch eine Diskriminierung der betroffenen Kinder.» Wenn die Wissenschaft nicht versuche, den Faktoren auf den Grund zu kommen, die die psychische Entwicklung positiv oder negativ beeinflussen, werde man seiner gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht, sagt auch Kurt Albermann, Kinderarzt und Kinder- und Jugendpsychiater, Leitender Arzt am Kantonsspital Winterthur (vergleiche nebenstehendes Interview).

Start im Oktober

Wenn es soweit ist, wollen die Forscher in Frauenkliniken unter schwangeren Frauen bei den Routinekontrollen erste Freiwillige für die Studie rekrutieren. Die ersten Untersuchungen sollen an zwei Terminen während der Schwangerschaft und in den Tagen nach der Geburt stattfinden, weitere sind in der 6. Lebenswoche sowie im 6., 12. und 24. Monat vorgesehen. Bei einigen dieser Termine werden auch die Väter und die Grosseltern eingeladen, an der Studie teilzunehmen.

«Keine Nachteile für die Kinder»

Interview mit Kurt Albermann, Ärztlicher Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums der Kinderklinik Kantonsspital Winterthur. Laut Website von Sesam, nicht Mitglied des Kernteams:

12 006 Menschen haben gegen Sesam eine Petition unterschrieben. Verstehen sie die Bedenken?

Dass zunächst gewisse Bedenken aufkommen, kann man schon verstehen. Andererseits brauchen wir dringend neue Erkenntnisse über die Faktoren, die die psychische Entwicklung positiv oder negativ beeinflussen. Darüber wissen wir bis jetzt relativ wenig. Deshalb ist es wichtig, dass wir solche Forschung betreiben. Vergleichbare Längsschittstudien kennen wir vor allem aus den USA. Es ist aber auch nicht die erste Längsschnittstudie in der Schweiz – da gibt es ja zum Beispiel diejenige des Zürcher Kinderspitals über die kindliche Entwicklung, unter Professor Remo Largo.

Welche Gefahren könnte die Studie für die 3000 Kinder haben, die bei Sesam mitmachen sollen?

Einen Nachteil kann ich daraus nicht ableiten, denn es handelt sich um reine Beobachtungsstudien, es wird nicht in die Entwicklung von Kindern eingegriffen, und die Anonymität bleibt gewahrt. Das Projekt muss ja auch noch den kantonalen Ethikkommissionen vorgelegt werden. So wird sichergestellt, dass solche Bedingungen eingehalten werden.

Was passiert, wenn man erkennt, dass bei einem Kind in der Entwicklung etwas schief läuft?

Dann ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten, dagegen etwas zu unternehmen. Etwa indem wir den Kindern und ihren Familien weitere Abklärungen oder Therapien vorschlagen. Die Forscher nehmen selbst keine Therapien vor.

Was sagen Sie zum Vorwurf, die Kinder würden bei Sesam bloss instrumentalisiert?

Der Punkt ist der, dass wir bei Fehlentwicklungen nicht einfach zusehen können, ohne zu versuchen, sie zu erforschen, sonst nehmen wir unsere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft nicht wahr. An der Kinderklinik des Kantonsspitals Winterthur haben wir zum Beispiel eine Adipositas-Gruppe, und vergangene Woche haben wir zusammen mit der Hochschule für Soziale Arbeit in Zürich eine Umfrage über Unterstützungsangebote für Kinder psychisch kranker Eltern durchgeführt. Auf beiden Gebieten nimmt die Zahl der Fälle deutlich zu, und keiner kann bisher wirklich sagen, warum das so ist. Auf die Dauer betrachtet ist dies für eine Gesellschaft und für die betroffenen Kinder und Familien eine fatale Entwicklung. Das Sesam-Projekt mit seinen vielen Teilstudien und der grossen Vernetzung kann dazu beitragen, Zusammenhänge aufzuzeigen.

Wo sehen Sie die Grenzen der Studie?

Man darf eine solche Studie nicht überbewerten. Es gibt ja keine 24 Stunden-Video-Überwachung, und man darf Eltern und Kinder nicht überbeanspruchen. Vermutlich braucht es anschliessend noch mehr Studien, um den Ergebnissen weiter auf den Grund zu gehen. Aber es ist immerhin mal ein Anfang.

DIE METHODEN DER FORSCHER

Untersucht wird mit Fragebögen, Interviews und Verhaltensbeobachtungen. Bei biologisch-genetischen Untersuchungen wollen die Forscher zudem nach Genmustern fahnden, die mit psychischer Gesundheit oder Krankheit korrellieren. Die Untersuchungen erlauben laut den Verantwortlichen von Sesam aber nur Aussagen auf der Ebene von Gruppen von Menschen, sie lassen keine Rückschlüsse auf die Erkrankungsrisiken von Einzelpersonen zu. Jeder Fragebogen einer Versicherung über familiäre psychische Belastung sei weitaus aussagekräftiger, betonen die Forscher und sehen darin ein weiteres Argument gegen die Bedenken. Der Zweck der genetischen Gruppenanalysen liege unter anderem darin, Mechanismen zu finden, die für die Aufrechterhaltung psychischer Gesundheit wichtig sind.

Ein Kern und viele Teilstudien

Beim nationalen Forschungsschwerpunkt Sesam handelt es sich um eine prospektive Längsschnittstudie. «Solche Studien sind besonders geeignet, Risiko- und Schutzfaktoren aufzudecken, die die Entwicklung eines Menschen beeinflussen können», schreibt Sesam auf seiner Website. Längsschnittstudie bedeutet, dass die Teilnehmenden über längere Zeit hinweg (für Sesam sind 20 Jahre geplant) wiederholt zur Teilnahme gebeten werden. Die Teilnahme sei freiwillig und könne jederzeit beendet werden, betonen die Forscher von Sesam. In den 12 Teilstudien sollen folgende Faktoren genauer untersucht werden:
  • ob familiäre Risikofaktoren frühzeitig günstig beeinflusst werden können, damit sich die Kinder gesund entwickeln
  • wie es sich auf die Kinder auswirkt, wenn Mütter vor der Geburt besonderen Belastungen ausgesetzt sind, oder wenn die Mütter selbst unter psychischen Krankheiten leiden
  • welche Rolle das Zusammenspiel von Genen und Umwelt spielt
  • welche Folgen es haben kann, wenn Eltern ihre Kinder vernachlässigen
  • wie frühe Lebensumstände chemische Vorgänge im Gehirn, sogenannte dopaminerge Funktionen, beeinflussen können
  • wie sich gesellschaftliche Einflüsse auf die familiäre Situation und die Gesundheit von Kindern auswirken
  • wie die Mütter die Geburt ihres Kindes verarbeiten, wie sich die Väter an ihre neue Aufgabe anpassen und wie sich das Verhältnis der Eltern untereinander auf das Kind auswirkt
  • wie die Regulation des autonomen Nervensystems und die psychosoziale Entwicklung des Kindes zusammenhängen.
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Sesam Watch

Beobachtungen und Notizen zum Schweizer NCCR "Sesam", der 3'000 Kinder und ihr Umfeld vom ersten Ultraschallbild an 20 Jahre lang beobachten wollte (vorzeitiger Abbruch: 13.3.08). Autonom, skeptisch, ehrenamtlich. Kontakt: sesamwatch@gmail.com

Grundsätze



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