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baz über Klaus Schmeck, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie

von Timm Eugster:

Klaus Schmeck setzt auf Versöhnung
Neuer Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik will keinen Psychologenstreit
Was passiert mit Freuds Erbe in Basel? Klaus Schmeck (49), Nachfolger des Psychoanalytikers Dieter Bürgin, schlägt sich im aktuellen Richtungsstreit auf keine Seite - er will aber verstärkt auch verhaltenstherapeutische Konzepte anwenden.
Klaus Schmeck blickt von seinem Arbeitszimmer in der alten Villa am Schaffhauserrheinweg auf das verschneite Rheinbord - und ist begeistert: «Das Klima gefällt mir sehr, sehr gut hier!» Er meint es im meteorologischen Sinne - sogar Palmen gebe es in Basel, anders als in Frankfurt und Ulm, wo er bis vor zwei Monaten noch tätig war - aber nicht nur: «Ich bin von allen Seiten sehr gut aufgenommen worden.» Der neue Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik (KJPK) lotet gegenwärtig in der hiesigen Szene das Terrain aus - sehr sorgfältig, systematisch und auf sympathische Art, wie ihm attestiert wird.
Der deutsche Diplompsychologe hat eine heikle Aufgabe angetreten. Schon während des Berufungsverfahrens hatte helle Aufregung unter Psychotherapeuten geherrscht. Denn mit der Pensionierung Dieter Bürgins hat einer der letzten grossen Basler Psychoanalytiker einen wichtigen Posten abgegeben. Im Rennen um die Nachfolge war auch eine Kandidatin, die stark auf Verhaltenstherapie und Medikamente setzt und bei psychoanalytisch arbeitenden Therapeuten die Angst nährte, ihre Methoden würden weiter ausgegrenzt. Mit der Fakultät für Psychologie der Uni Basel, die ihr Fach als «Life Science» versteht und die Psychoanalyse in der Tradition Freuds für überholt hält, liegen die Therapeuten im Clinch. Die Berufungskommission wollte den Streit nicht weiter anheizen - und wählte den Favoriten Schmeck.
Sein Programm lautet: «Es bringt uns nicht weiter, Gegensätze zu pflegen - wir müssen sie überwinden.» So möchte er die nur in Ansätzen vorhandene Zusammenarbeit zwischen KJPK und den Psychologen der Uni Basel verstärken, ohne den engen Kontakt zu frei praktizierenden Therapeuten zu vernachlässigen. Ob es ihm gelingen wird, allen Parteien gerecht zu werden? Schmeck: «Es kann schon sein, dass ich noch an harte Grenzen stossen werde...» Als Vermittler will er nicht bezeichnet werden: «Ich will meine Rolle nicht überschätzen.»
NEUE AKZENTE. Was aber hat Schmeck vor mit dem Erbe Bürgins? - Er könne sich glücklich schätzen, dass so viel psychoanalytisches Wissen da sei: «Bürgin geniesst über die Grenzen hinaus einen guten Ruf und hat viel bewegt.» Aber: «Ich möchte neue Akzente setzen und vermehrt auch andere therapeutische Verfahren einsetzen.»
So will er die Stärken der bisherigen tiefenpsychologischen Methoden mit verhaltenstherapeutischen Ansätzen in neuen Konzepten kombinieren. Konkret: Bei Zwangsstörungen - wenn ein Kind zum Beispiel ständig auf Gegenstände klopft oder Türen auf- und zuschlägt - sei eine Verhaltenstherapie sehr hilfreich. Bei Persönlichkeitsstörungen aber - wenn Beziehungen zu anderen Menschen schwierig und wenig tragfähig sind, Gefühle schwer regulierbar sind, Depressionen, Essstörungen oder Selbstmordgedanken auftreten - müsse man die Beziehung selbst zum Thema machen. «Dann setzen wir uns an den Tisch und besprechen, was zwischen uns passiert», so der Chefarzt. Eine Couch hat er nicht im Arbeitszimmer. Dafür wird die Ritterburg bald ausgepackt, die noch in Schachteln verstaut ist, und die Plüschbären stehen schon bereit.
FÜR «SESAM». Dass die tiefenpsychologische Psychotherapie in Bedrängnis ist, liegt für Schmeck nicht an mangelnder Wirksamkeit - sondern am Mangel an Studien: «Solange die Löwen keine Geschichten erzählen, werden die Sieger immer die Jäger sein», zitiert er ein afrikanisches Sprichwort und meint damit: Wer Studien verfasst, ist im Vorteil. Die nächste Geschichte, die in Basel geschrieben wird, steht unter der Leitung des Uni-Psychologen Jürgen Margraf, der mit dem Erbe Freuds auch nichts am Hut hat: Mit «sesam» will Margraf 3000 Kinder vom Mutterleib bis zum 20. Altersjahr inklusive deren Eltern und Grosseltern untersuchen. Bei Psychotherapeuten und den Gentech-Kritikern stösst die Studie auf massive Kritik.
Er sei kaum informiert über «sesam», sagt Schmeck, und nimmt doch vorsichtig Partei für das Projekt: «Kollegen aus der ganzen Welt beneiden uns.» Doch müssten ethische Bedenken ernst genommen werden: «Die Kinder müssen zum Beispiel jederzeit aussteigen können.» Und er selbst, wird er versuchen, bei «sesam» einzusteigen? Schmeck bestätigt: «Ich würde sehr gerne meine Ideen einbringen.»
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Beobachtungen und Notizen zum Schweizer NCCR "Sesam", der 3'000 Kinder und ihr Umfeld vom ersten Ultraschallbild an 20 Jahre lang beobachten wollte (vorzeitiger Abbruch: 13.3.08). Autonom, skeptisch, ehrenamtlich. Kontakt: sesamwatch@gmail.com

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