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    <title>Sesam Watch (Beobachtungen und Notizen zum Schweizer NCCR &quot;Sesam&quot;, der 3&apos;000 Kinder und ihr Umfeld vom ersten Ultraschallbild an 20 Jahre lang beobachten wollte (vorzeitiger Abbruch: 13.3.08). Autonom, skeptisch, ehrenamtlich. Kontakt: sesamwatch@gmail.com) : Rubrik:Margraf</title>
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    <description>Beobachtungen und Notizen zum Schweizer NCCR &quot;Sesam&quot;, der 3&apos;000 Kinder und ihr Umfeld vom ersten Ultraschallbild an 20 Jahre lang beobachten wollte (vorzeitiger Abbruch: 13.3.08). Autonom, skeptisch, ehrenamtlich. Kontakt: sesamwatch@gmail.com</description>
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    <title>Interview mit Jürgen Margraf zu Sesam</title>
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    <description>Die Aargauer Zeitung und die ihr angeschlossenen Regionablätter publizierten in den letzten Tagen dieses Interview in dieser oder einer leicht redigierten Fassung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;«Wir wollen doch etwas Gutes tun»&lt;br /&gt;
&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Jürgen Margraf, Leiter der Studie Sesam, die mit 15 000 Teilnehmern herausfinden will, welche Ursachen zu einer gesunden psychischen Entwicklung führen, ist zuversichtlich, das Projekt in den nächsten Wochen starten zu können.&lt;br /&gt;
Mit Jürgen Margraf sprach David Sieber&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Herr Margraf, haben Sie Kinder?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jürgen Margraf: Ja, zwei. Die Tochter ist zehn, und der Sohn geht schnell auf die 16 zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Würden Sie Ihre Kinder an einem Projekt wie Sesam teilnehmen lassen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: Selbstverständlich. Ich würde bei meiner Arbeit nichts tun, was ich nicht in meinem Umfeld machen würde. Untersuchungen an Erwachsenen und Kindern sind Alltag. In der Pädagogik, der Pädiatrie und eben in der Entwicklungspsychologie haben solche Studien eine lange Tradition.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Hätten Sie auch keine Bedenken, an Ihren unmündigen Kindern DNA-Analysen durchführen zu lassen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: Da hätte ich überhaupt keine Bedenken. Denn es besteht kein Risiko. Sesam beschäftigt sich mit dem ganzen Menschen, seinem Körper und seinem Geist. Gene sind nur ein Baustein des Lebens. Die DNA-Analysen, die wir planen, sollen helfen, genauer zu verstehen, welche Prozesse bei psychischer Gesundheit und Krankheit eigentlich ablaufen. Es geht nicht darum, das Gen gegen Depression zu finden. Das gibt es ohnehin nicht. Uns interessiert: Wie wirken Umwelt und Erbgut zusammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Nun will die Ethikkommission beider Basel aber nicht, dass Kinder zu einer DNA-Analyse herhalten müssen ...&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: ... selbst, wenn die Eltern einverstanden sind, ja. Diese Auflage hat die Kommission uns gemacht. Und daran halten wir uns. Wir machen die Analysen nun erst, wenn die Kinder im Alter von 18 ihr Einverständnis dazu geben.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Bricht damit der Kern der Studie weg, wie Sesam-Kritiker meine&lt;/b&gt;n?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: Nein. Der Entscheid tangiert die Studie nur zeitlich. Die Bandbreite unserer Forschung reicht von der Biologie und Genetik über die Psychologie bis zur Soziologie. Die Genetik macht nur etwa fünf Prozent unseres Budgets von rund 21 Millionen Franken für die ersten vier Jahre aus. Und nur ein Prozent war für DNA-Analysen an den Kindern vorgesehen. Wir werden etwa 5000 Eltern, 7000 Grosseltern und 3000 Kinder bei Sesam mit dabeihaben. Bei den 12 000 Erwachsenen können wir die DNA-Analysen sofort durchführen. Weil die Korrelationen mit Krankheiten sich ohnehin erst im Erwachsenenalter zeigen, können wir mit der Empfehlung der Ethikkommission gut leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die Kritik an Sesam war laut und fundamental. Hat Sie das überrascht?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: Dass das Interesse gross ist, habe ich erwartet. Ich konnte die Kritik teilweise verstehen, doch die Lautstärke und die teils fundamentalistischen Argumente haben mich erstaunt. Dabei geht es uns doch darum, etwas Gutes zu tun. Wir wollen verstehen, wie sich Menschen gesund entwickeln. Gesundheit ist für die Menschen eines der höchsten, für einige gar das höchste Gut. Die Psychologie hat gezeigt, dass die Menschen trotzdem dazu neigen, zu lange zu warten und ihr Verhalten erst ändern, wenn die Erkrankung da ist. Es ist deshalb wichtig, dass sich die Menschen frühzeitig um ihre Gesundheit kümmern. Und deshalb müssen wir verstehen, welche Pfade zu einem gesunden Leben führen und welche Pfade vor der Krankheit gegangen worden sind.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Weshalb haben Sie so lange mit Informationen gegeizt und nicht einfach den ganzen Projektbeschrieb veröffentlicht?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: Das ist international nicht üblich. Zum einen muss man die im Antrag enthaltenen Ideen schützen, vor allem aber werden bei derartigen Studien die Details erst in einer intensiven Vorbereitungsphase ausgearbeitet. Da hätte es schnell Verwirrung gegeben, wenn verschiedene Zwischenstände nebeneinander gestanden hätten. Nachdem diese Vorbereitungen nun abgeschlossen sind, können wir nun mit Foren starten, wo wir der Öffentlichkeit Red und Antwort stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Sesam wurde zu Anfang sinngemäss als Beitrag zur psychischen Gesundung der Schweiz angepriesen, wovon auch die Wirtschaft profitiere. Der Pharmamulti Roche unterstützt das Projekt mit sechs Millionen Franken. Wundert Sie da der Einwand, bei Sesam gehe es vorab darum, die Grundlagen für neue Therapieformen und Medikamente zu schaffen, um damit Geld zu verdienen?&lt;br /&gt;
&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Margraf: Ich persönlich finde, neue Therapieformen wären sehr sinnvoll. Denn die Vorhandenen sind bei weitem nicht perfekt. Ich kenne auf meinem Gebiet, der Psychotherapie, keine Methode, die hundertprozentig wirkt. Es ist aber nicht gesagt, ob und in welchen Bereichen Sesam solche neuen Möglichkeiten eruieren wird. Zum Beispiel: Ein Grund für den Anstieg der Angst, den wir in den westlichen Industriestaaten - und da besonders stark bei Kindern - beobachten, ist in der Veränderung der zwischenmenschlichen Beziehungen zu sehen. Die Scheidungsrate steigt, die Menschen heiraten immer später, die Erstgebärenden werden immer älter, und die Geburtenrate ist niedrig. Allgemein nimmt die soziale Verbundenheit ab - der wichtigste Schutzfaktor für das Individuum überhaupt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Warum ist das so?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: Das hat mit gesellschaftlichen Werten und Normen, mit ökonomischen, aber auch mit psychologischen Faktoren zu tun. Ich glaube nun wirklich nicht, dass daran eine Veränderung der Genetik schuld ist. Wenn ich etwas gegen diese Entwicklung tun will, dann muss ich auf der gesellschaftlichen Ebene ansetzen und wohl kaum mit Therapien und Medikamenten. Wenn es aber aufgrund unserer Forschung neue Medikamente gibt, ist das auch eine gute Sache. Denn auch die Medikamente können noch deutlich verbessert werden, weil sie in Bezug auf Nebenwirkungen und Abhängigkeiten Probleme machen. Es hat in diesem Bereich seit Jahrzehnten keine grossen Fortschritte gegeben. In erster Linie geht es uns aber darum zu verhindern, dass das Kind überhaupt in den Brunnen fällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Und das schaffen Sie mit der Beobachtung von 15 000 Menschen über drei Generationen hinweg?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magraf: Wir hoffen, die Exzesse, wie krankhafte Depressionen, in den Griff zu bekommen. Um normale Durchhänger, die wie die Grippe zu unserm Leben gehören, geht es nicht. Es ist aber wichtig zu verstehen, wie solche Durchhänger entgleiten. Vermutlich spielen sich in diesen Fällen Aufschaukelungsprozesse ab. Es ist sicher nicht so, dass die betroffenen Personen grundsätzlich anders als andere Menschen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Und bei diesen Aufschauklungsprozessen spielen dann die biologischen, genetischen, psychologischen und sozialen Faktoren eine Rolle?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: Genau. Das macht es so schwer, hier voranzukommen. Deshalb Sesam, wo zum Beispiel die Kollegen von der Soziologie mit jenen von der Molekulargenetik zusammenarbeiten. Da hatten wir mit unserem Projekt zunächst das Problem, dass es gesellschaftliche und wissenschaftliche Moden gibt. Gegenwärtig ist es gerade in, nicht auf die Gesellschaft, sondern auf das Individuum zu gucken. Und beim Individuum guckt man auf die Biologie und nicht auf psychosoziale Anteile. Konkret hält man derzeit grosse Stücke auf Gehirnbilder. Man sucht nach dem Gottesgen und behauptet, weil in einem spezifischen Teil etwas leuchtet, nun zu wissen, weshalb der Mensch religiös ist. Das ist Unfug. Natürlich «leuchtet» etwas im Gehirn beim Denken. Aber das ist doch keine Ursache, sondern eine Korrelation. Und weil dies gerade Mode ist, ist es auch einfacher, dafür Geld zu erhalten als für die Soziologie. Das Besondere an Sesam ist nun, dass wir all die Disziplinen zusammenbringen.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Dem Nationalfonds, Ihrem Hauptgeldgeber, wird vorgeworfen, Naturwissenschaften gegenüber Geisteswissenschaften zu bevorzugen. Sesam erhielt nicht zuletzt wegen dieser Kritik den Zuschlag, worauf es wiederum hiess, Ihr Projekt sei eigentlich auch hauptsächlich naturwissenschaftlich.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: Das ist das Problem, wenn man interdisziplinär arbeitet. In Sonntagsreden wird dieser Begriff immer wieder beschworen. In der Realität sind weder die Unis noch die Forschungsförderungen dieser Welt entsprechend organisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie haben Sie die unterschiedlichen Forscher eigentlich zusammengebracht?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: Einfach wars nicht, wie überhaupt die ganze Vorarbeit weit aufwendiger war, als man sich vielleicht vorstellt. Aber die Einsicht, dass wir dieses wichtige Projekt nur gemeinsam in Angriff nehmen können, hat sich rasch durchgesetzt. Natürlich war und ist es für den einen oder anderen Forscher, der auf seinem Gebiet eine Kapazität ist, nicht ganz einfach, sich von einem Kollegen einer anderen Disziplin dreinreden zu lassen. Doch ist es unumgänglich, dass man sich bei einer Haupt- und zwölf Teilstudien immer wieder rückvergewissert. Dafür haben wir ein internes Begutachtungssystem. Bisher hats sehr gut geklappt. Die nächste Nagelprobe steht bevor, wenn dann die ersten Daten erhoben und ausgewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Das heisst, wenn die 3000 Schwangeren rekrutiert sind. Ab wann werden diese gesucht?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: Wir werden in den nächsten Wochen, sobald wir die Vorgaben der EKBB umgesetzt haben, mit den Vorstudien beginnen können. Vorerst nur in Basel, weil in Bern, Zürich, Lausanne und Genf die dortigen Ethikkommissionen erst noch entscheiden müssen. Sobald wir überprüft haben, ob unsere Übungsanlage perfekt ist, sprechen wir Schwangere an, die in Frauenspitälern zu Routineuntersuchungen kommen, und fragen sie auch, ob wir den Vater und ihre Eltern einbeziehen dürfen. Danach fragen wir den Vater, ob wir seine Eltern kontaktieren dürfen. Ist alles geklärt, beginnen wir mit den Untersuchungen.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Wie muss man sich diese Untersuchungen genau vorstellen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: Im Zentrum stehen die Mutter und ihr Kind. Während der Schwangerschaft haben wir zwei Untersuchungszeitpunkte. Dann schauen wir, wie die Geburt verlaufen ist. Denn daraus lassen sich wichtige Schlüsse ziehen. Eine Kollege, der bei Sesam dabei ist, hat zum Beispiel nachgewiesen, dass schwierige Geburten, die sowohl Mutter und Kind belasten - und ein wenig auch den Vater, wie ich aus eigener Erfahrung weiss -, zu bestimmten Interaktionsmustern führen, die noch Jahre später festgestellt werden können. Danach sehen wir die Familien, wenn die Kinder sechs, zwölf und 24 Monate alt sind, bevor wir auf einen Zwei-Jahres-Rhythmus wechseln. Dabei geht es um Meilensteine der Entwicklung, also wann die Kinder zum ersten Mal sprechen, sitzen und gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Was machen Sie mit den Kindern?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: In den ersten Lebensjahren studieren wir ihr Verhalten und ihr Umfeld, stellen etwa fest, wo und wie sie wohnen, ob es dort zum Beispiel wegen des Verkehrs laut und ob die Luft schlecht oder gut ist. Uns interessiert aber auch die Feinfühligkeit der Mütter. Nehmen sie wahr, was das schreiende Kind will? Sehr wichtig sind auch der Umgang mit alltäglichen Anforderungen und die gegenseitige Unterstützung zwischen Generationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Dazu sprechen Sie mit Müttern, Vätern und Grosseltern?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: Wir fragen nach besonderen Ereignissen, nach dem Umgang mit Stresssituationen und vielem mehr. Die Grosseltern interviewen wir weniger oft, was aber vorab pragmatische, sprich finanzielle Gründe hat. Wichtig sind ihr Wohlbefinden, ihre Werte, ihre Gesundheit - und welchen Einfluss das nun auf die Eltern und die Kinder hat. Umgekehrt aber auch, welchen Einfluss die Eltern und die Kinder auf die Grosseltern haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie aussagekräftig kann Sesam überhaupt werden? Sie müssen ja zum Beispiel in jenen Fällen eingreifen, wo eine akute Gefährdung besteht.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: Das ist klar. Auch bei Offizialdelikten wie häuslicher Gewalt sind wir verpflichtet einzugreifen. Bei normalen Problemen müssen wir das aber nicht. Denn die haben wir alle. Menschen bewältigen ihre Probleme meist selbst. Geht es um körperliche Probleme, so werden wir die nicht feststellen können, wenn sie genetisch bedingt sind. Weil wir die dafür erforderlichen Gentests nicht machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die Sesam-Probanden wissen, dass sie an einer Untersuchung teilnehmen. Beeinflusst das nicht zwangsläufig das Ergebnis?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: Da hat man internationale Erfahrungswerte, mit denen man dieses Phänomen beurteilen kann. Zudem fragten wir Kollegen, die Erfahrung mit Langzeitstudien haben, wie ihre Teilnehmer reagiert haben. Die Antwort: neutral bis positiv. Nicht wenige hätten ihr Mehrwissen zur Verbesserung der eigenen Situation genutzt - oder schlicht vergessen, dass sie überhaupt teilgenommen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie repräsentativ für die Schweizer Bevölkerung wird Sesam sein?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: Unsere Stichprobe kann nicht repräsentativ sein: Die Teilnahme ist freiwillig, wir arbeiten mit Frauenspitälern zusammen, wo längst nicht alle Schwangeren zur Vorsorge hingehen, und die Probanden müssen über einigermassen gute Deutsch- oder Französischkenntnisse verfügen, damit sie die Fragebögen ausfüllen können. Aber wir machen ja auch keine Quer-, sondern eine Längsschnittstudie. Und da versucht man in die Zukunft gerichtet zu schauen, wie sich Menschen entwickeln. Entscheidend dabei ist, wie viele bis zum Schluss dabeibleiben. Wir erwarten, dass es über 70 Prozent sein werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Und wo werden Sie in 20 Jahren sein?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Margraf: Im Ruhestand - und hoffentlich mit Neugier verfolgen, was die Jüngeren Spannendes tun.</description>
    <dc:creator>patpatpat</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://sesam.twoday.net/topics/Margraf&quot;&gt;Margraf&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 patpatpat</dc:rights>
    <dc:date>2007-03-28T07:35:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://sesam.twoday.net/stories/3318933/">
    <title>NZZ: &quot;Margraf zum Nutzen des &apos;Sesam&apos;-Projekts&quot;</title>
    <link>http://sesam.twoday.net/stories/3318933/</link>
    <description>&lt;b&gt;In der Neuen Zürcher Zeitung vom 14.02.2007 auf Seite 17:&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die Risiken des Fragebogens - Der Psychologe Jürgen Margraf zum Nutzen des «Sesam»-Projekts&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Das Nationalfondsprojekt «Sesam» steht in der Kritik, bevor es richtig begonnen hat. Die Angemessenheit des Verhältnisses von Risiko und Nutzen für die teilnehmenden Kinder wird in Frage gestellt. Für den Direktor von «Sesam», den Psychologen Margraf, hängen die Bedenken mit falschen Vorstellungen über die Art der Forschung zusammen.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hof. Das Ziel des Nationalen Forschungsschwerpunktes «Sesam» ist ehrgeizig. Und um es zu erreichen, bedarf es eines langen Atems. Psychologen, Psychiater, Soziologen und Mediziner wollen die psychische Entwicklung von 3000 Kindern ab der 20. Schwangerschaftswoche bis zum 20. Lebensjahr erforschen. Mit einbezogen werden auch deren Eltern und Grosseltern (siehe Kasten). Das vom Schweizerischen Nationalfonds, der Universität Basel und Privaten (unter anderem der Pharmaindustrie) finanzierte Projekt steht seit seiner Lancierung vor etwas mehr als einem Jahr in der Kritik. Die Forschung an Kindern erzeugt Bedenken, zum Teil auch fundamentale Ablehnung. Der Ethikkommission beider Basel, die das Studiendesign von «Sesam» zurzeit begutachtet, wurde eine von 12 000 Menschen unterschriebene Petition überreicht, die den Kommissionsmitgliedern rät, «Sesam» den Riegel zu schieben. Für Jürgen Margraf, Direktor von «Sesam» und Basler Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie, ist die Kritik kaum nachvollziehbar. Seiner Meinung nach gründet sie wesentlich auf falschen Vorstellungen über die Art der Forschung. Das Risiko für die Studienteilnehmer sei minimal, der Nutzen - insbesondere für die Allgemeinheit - umso grösser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Stolze Studienteilnehmer&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Risiken und Nutzen müssen bei der Forschung am Menschen in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen. Ein kleiner Forschungsnutzen darf nicht mit einem für die Versuchsperson grossen gesundheitlichen Risiko einhergehen. Bei «Sesam» können Risiken für die Kinder und deren Angehörige in erster Linie bei der Erhebung der Daten entstehen. Die Teilnehmer der Studie werden beobachtet, sie füllen Fragebogen aus (selbstverständlich erst dann, wenn sie dazu fähig sind), führen Gespräche mit den Forscherinnen, es werden Blut- und Speichelproben genommen und bei den Ungeborenen Ultraschalluntersuchungen durchgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gebe keine Hinweise dafür, dass das Ausfüllen von Fragebögen zu negativen Folgen führen würde, sagt Margraf zur Risikoabschätzung - im Gegenteil: «Die Menschen sind stolz auf ihren Beitrag zur Forschung, sie fühlen sich ernst genommen, und sie werden im Hinblick auf den Untersuchungsgegenstand positiv sensibilisiert. Dies zeigen uns verschiedenste Befragungen von Teilnehmern anderer vergleichbarer Studien.» Für diesen Befund spreche auch die hohe Teilnehmerrate bei lange dauernden Forschungen. Bei einer Schizophrenie-Studie, die die Menschen während 22 Jahren begleitete, hätten 90 Prozent bis zum Schluss mitgemacht. Margraf rechnet damit, dass bei «Sesam» die Rate von 70 Prozent übertroffen werden wird: «Es liegt ja in unserem eigenen Interesse, dass wir die Teilnehmer nicht verärgern.» Das Risiko liegt also möglicherweise weniger bei der Erhebungsmethode selber als vielmehr beim Schutz der erhobenen Daten. Dem sei man sich bewusst, sagt Margraf. Die Daten würden anonymisiert, und Dritte, wie etwa die Industrie, hätten keinen Zugang zu personenbezogenen Daten. Man halte sich selbstverständlich an die einschlägigen Gesetze. Das Recht, nichts über die eigenen Daten erfahren zu müssen, werde respektiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Nuckeln für die Speichelprobe&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Wissenschafter Blut- und Speichelproben nehmen, um etwa die DNA oder Stresshormone zu untersuchen, greifen sie allerdings direkt in die körperliche Integrität der Studienteilnehmer ein. Man werde sich daher bemühen, Blutentnahmen an ärztliche Routineuntersuchungen zu koppeln, sagt Margraf. Trotzdem werde es nicht zu vermeiden sein, separat etwas Blut zu nehmen. Das Risiko dabei sei klein, es könnte zu einer Entzündung kommen, die aber medizinisch ohne weiteres zu behandeln sei. Speichelproben würden bei älteren Personen mit dem Wattestäbchen von der Wangeninnenschleimhaut gestrichen. Das sei absolut risikolos. Neugeborene könnten diese Prozedur aber als unangenehm empfinden. Deshalb gebe man ihnen für eine Minute einen Wattestab zum Nuckeln. Bei den Ungeborenen werden Ultraschalluntersuchungen durchgeführt, die ohnehin zur Routine während der Schwangerschaft gehörten. Herzschläge des Fötus könnten mit einer neuen Methode aus dem Elektrokardiogramm der Mutter errechnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Risiken für die Studienteilnehmer - insbesondere auch für die Kinder und Ungeborenen - nach Ansicht von Margraf ausserordentlich gering sind, muss im Grunde auch der kurzfristige Nutzen für die Teilnehmenden nicht allzu hoch veranschlagt werden, um «Sesam» als vertretbar einstufen zu können. Margraf erkennt den Gewinn für die Teilnehmer selber vor allem in der Sensibilisierung für Fragen der psychischen Gesundheit und der gesunden menschlichen Entwicklung. Dies könne das Befinden der Einzelnen durchaus positiv beeinflussen: «Wissen ist die beste Grundlage der Prävention», sagt Margraf. Allerdings sei «Sesam» keine Interventionsstudie. Die Forscher dürften nur in Extremfällen eingreifen, etwa wenn sie bei einem Teilnehmer Suizidgefahr feststellen würden. In weniger gravierenden Fällen könne an das bewährte medizinische Versorgungsnetz verwiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Keine Garantie für Ergebnisse&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem, betont Margraf, handle es sich bei «Sesam» um Grundlagenforschung. Und diese werfe in der Regel keinen direkten Nutzen für die Teilnehmer ab, sondern einen potenziellen und vor allem langfristigen für andere Menschen in einer vergleichbaren Situation. Bei der Grundlagenforschung im Gesundheitsbereich könne es nicht um Therapie gehen, sondern zunächst darum, die Verhältnisse besser zu verstehen. Diese Art von Forschung sei im Übrigen alltäglich. Margraf erwähnt als Beispiel die Pisa-Studie, mit der in regelmässigen Abständen die Fähigkeiten und Kenntnisse von Schülern gemessen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Unser vorrangiges Ziel besteht nicht darin, Psychopharmaka zu entwickeln. Vielmehr wollen wir ein besseres Verständnis der menschlichen Entwicklung und der seelischen Gesundheit erlangen», sagt Margraf. Daraus könnten Grundlagen für eine wirksame Prävention und für einen besseren Umgang mit psychischen Krankheiten erarbeitet werden. Diese Krankheiten müssten endlich entstigmatisiert werden, weil sie zu unserem Leben gehörten wie alle anderen Krankheiten auch. Doch was für jede Forschung gelte, treffe auch auf «Sesam» zu: «Im Voraus können wir keine bestimmten Ergebnisse garantieren.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;3000 Kinder und Mütter, 2000 Väter und 5000 Grosseltern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hof. Die Leitung des Nationalen Forschungsschwerpunktes «Sesam» rechnet damit, dass im Frühsommer mit der Rekrutierung der Studienteilnehmerinnen begonnen werden kann. Gesucht sind 3000 schwangere Frauen. Sie sollen von ihren Ärzten in der 12. Schwangerschaftswoche auf «Sesam» hingewiesen werden. Sie erhalten Informationsmaterial, und «Sesam»-Mitarbeiter, die über den Studienverlauf aufklären, stehen für Gespräche zur Verfügung. In der 16. Schwangerschaftswoche wird die Einverständniserklärung eingeholt. Ebenfalls muss das Einverständnis von den Verwandten erlangt werden. «Sesam»-Direktor Margraf rechnet damit, dass 2000 Väter und 5000 Grosseltern teilnehmen werden. Erste Datenerhebungen finden dann in der 20. Schwangerschaftswoche statt. «Sesam» (Swiss Etiological Study of Adjustment and Mental Health) will den Ursachen nachspüren, die zu einer gesunden psychischen Entwicklung beitragen. Man wisse, dass 50 Prozent aller psychischen Störungen bereits vor dem 14. Altersjahr begännen, sagt Margraf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotzdem bestehe bis anhin ein ausgesprochener Mangel an diesbezüglicher Forschung im Kindes- wie auch im höheren Alter. «Sesam» ist international betrachtet nicht die einzige Studie ihrer Art. In England etwa läuft seit geraumer Zeit die &lt;a href=&quot;http://www.alspac.bris.ac.uk/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;«Avon Longitudinal Study of Parents and Children» (ALSPAC)&lt;/a&gt;. Deren Ziel ist es, zu verstehen, wie das Zusammenspiel von Umwelt und Genen die Gesundheit, das Verhalten und die Entwicklung des Kindes beeinflusst. Das Besondere an «Sesam» sei, so Margraf, dass drei Generationen gleichzeitig erforscht würden, dass die Studie bereits während der Schwangerschaft beginne und dass erstmals biomedizinische, psychologische und sozialwissenschaftliche Experten eng zusammenarbeiten würden.&lt;/cite&gt;</description>
    <dc:creator>patpatpat</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://sesam.twoday.net/topics/Margraf&quot;&gt;Margraf&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 patpatpat</dc:rights>
    <dc:date>2007-02-14T09:30:00Z</dc:date>
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    <title>Margraf in &quot;uni nova&quot; über Risikowahrnehmung</title>
    <link>http://sesam.twoday.net/stories/3280479/</link>
    <description>&lt;b&gt;Jürgen Margraf &lt;a href=&quot;http://www.unibas.ch/doc/doc_download.cfm?uuid=140495CAC09F28B634B9BB9F63C63FC2&amp;&amp;IRACER_AUTOLINK&amp;&amp;&quot;&gt;im Magazin der Uni Basel vom November &apos;06&lt;/a&gt;, das unter dem Motto &quot;Neue Krankheiten, moderne Risiken&quot; steht:&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vögel und die Furcht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Risiken werden ganz unterschiedlich wahrgenommen und bewertet. Die Psychologie kann mithelfen, zu erkennen, welches die wirklichen Gefahren sind, mit denen wir es zu tun haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Jahr sind in der Schweiz nach Schätzungen bereits rund tausend Menschen an Suizid gestorben, einige Hunderte bei Verkehrsunfällen, viele an der Immunschwächekrankheit Aids und andere an der ganz «normalen» Grippe  aber noch niemand an der Vogelgrippe (Stand: Oktober 2006). Warum fürchten viele Menschen dann eigentlich die Vogelgrippe mehr als die normale Grippe, den Autoverkehr oder den Suizid? Wer in diesem Sommer in der Internet-Suchmaschine Google das Stichwort «Vogelgrippe» eingab, stiess auf über 5,6 Millionen Einträge; der ursprüngliche Begriff «Geflügelpest» ergab noch 1,1 Millionen Treffer. Bei der Beschäftigung mit Risiken sind drei verschiedene Ebenen auseinander zu halten: erstens die fachlich-technische Risikoanalyse, zweitens die Psychologie und die individuelle Wahrnehmung des Risikos  davon soll hier vor allem die Rede sein  und drittens die Soziologie des Risikos, auf deren Ebene die soziale Wertedebatte etwa über die Themen Freiheit und Schutz stattfindet.&lt;br /&gt;
Die Psychologie hat die Mechanismen der Risikowahrnehmung systematisch erforscht. Ihre Erkenntnisse können uns helfen, die wichtigen von den weniger wichtigen Gefahren zu unterscheiden und unser Verhalten danach auszurichten.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Begrenzte Rationalität&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Bei der Risikowahrnehmung geht die Psychologie von einigen wenigen Grundregeln aus, die auf ein Individuum oder eine Gesellschaft prägend wirken. Eine davon ist, dass wir vor dem Hintergrund unserer jahrtausendealten Entwicklungsgeschichte nur begrenzt rational funktionieren: So wurden die Vorfahren des heutigen Menschen vor rund 120000 Generationen zu Jägern und Sammlern, vor 500 Generationen entstand die Landwirtschaft, vor zehn Generationen brach das Industriezeitalter an und erst seit einer Generation stehen uns Fernsehen und Computer zur Verfügung. Anzunehmen ist also, dass die früheren Menschheitsepochen der Jäger und Sammler unser Denken und Verhalten viel stärker beeinflussen, als uns bewusst ist.&lt;br /&gt;
Eine andere psychologische Grundregel lautet, dass wir mit verschiedenen Gefahren und Risiken vollkommen unterschiedlich umgehen: Wir unterschätzen alltägliche, bekannte und freiwillige Risiken, und umgekehrt überschätzen wir aussergewöhnliche, unbekannte und unfreiwillige Risiken. So kommt es im Alltag regelmässig zu falschen Risikoeinschätzungen.&lt;br /&gt;
Befragt nach den drei grössten heutigen Todesrisiken, nannten zum Beispiel Laien in einer Untersuchung Asbest, Giftmüll und starke Medikamente. Aus der Sicht von Fachleuten standen dagegen ganz andere Risiken im Vordergrund, nämlich Rauchen, Bewegungsmangel und Spirituosen. Oder: Wir fürchten uns mehr vor dem Seiltanzen als vor dem Autofahren, vor übermässigem Essen oder Zigarettenkonsum. Dabei beträgt heute die mittlere Verringerung der Lebenserwartung durch starkes Rauchen mehrere Jahre (6,6 Jahre beim Mann, 3,9 Jahre bei der Frau), durch Übergewicht 2,8 Jahre, durch Auto- und Motorradfahren ein halbes Jahr und durch Seiltanzen nur rund vier Monate.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Medieneinfluss&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Unsere Risikowahrnehmung wird stark von den Massenmedien beeinflusst. Nicht nur Fernsehen und Radio wirken auf unsere Bewertungen und damit unser Verhalten in Bezug auf Risiken ein, sondern auch Zeitungen und Zeitschriften: Auf der Frontseite der «New York Times» fanden sich zum Beispiel 138 Artikel über Flugzeugabstürze pro tausend (US-amerikanische) Tote; dagegen erschienen nur 0,2 Artikel über Krebs pro tausend Krebstote in den USA und 1,6 Artikel über Gewaltkriminalität pro tausend Mordopfer. So erstaunt es nicht, dass nach dem Absturz einer DC-10 im Jahr 1989 die Buchungen für diesen Flugzeugtyp in den ersten zwei Wochen um 35% zurückgingen  während der Zigarettenverkauf in der Schweiz in den ersten zwei Wochen nach dem Gesundheitswarnungs- Aufdruck fast gar nicht zurückging und auch über das gesamte erste Jahr nur um gerade 3% abnahm. Oft entwickeln sich Schlagzeilen aus eher unscheinbaren Kurzmeldungen, die zunächst nur auf den hinteren Seiten Platz finden. Für den Medienkonsum charakteristisch ist auch die relativ kurze Aufmerksamkeitsspanne, also der beschränkte Zeitraum, in dem sich die durchschnittlichen Zeitungsleserinnen, Radiohörer und TV-Zuschauer für ein bestimmtes Phänomen interessieren. So zeigte sich in einer Studie für die Jahre 2000 und 2001 ein klarer Zusammenhang zwischen deutschen Fernsehnachrichten und dem Rindfleischkonsum der Bevölkerung: Als im Herbst 2000 die Zahl der monatlichen TV-Beiträge von null auf über 300 stieg, brach der Rindfleischkonsum auf weniger als einen Drittel des früheren Werts ein. Dieser wurde dann in etwa wieder im Herbst 2001 erreicht, nachdem die Fernsehbeiträge wieder auf nahezu null zurückgegangen waren.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Unsichtbare Killer&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Kurz: So genannte «slow killers», die alltäglichen und langsam voranschreitenden Gefahren und Risiken, sind in den Medien klar unterrepräsentiert. Dabei haben die Medien für den individuellen Umgang mit Risiken eine Verstärkerfunktion, das heisst, sie beeinflussen sowohl die Wahrnehmung wie auch das Bewerten und Handeln in Bezug auf Risiken. Das lässt sich bereits auf der Ebene der einfachen Wortwahl zeigen: Der in kurzer Zeit in den Medien verbreitete Begriff «Vogelgrippe» für das eigentlich alte Phänomen der Geflügelpest etwa suggeriert die Neuheit und zugleich die Nähe der Gefahr  da Vögel und Grippe überall vorkommen, kann man sich wohl kaum dagegen schützen, denkt der besorgte Zeitgenosse. Die Risikowahrnehmung beeinflusst auch unsere Verteilungsentscheidungen. Da die Ressourcen immer begrenzt sind, sind Entscheidungen über Verteilungen unausweichlich. Solche Entscheidungen werden besser explizit und wissensbasiert als implizit und ohne Wissensbasis vorgenommen. So sind lebensrettende Massnahmen unterschiedlich teuer: In einer US-Studie betrugen die durchschnittlichen Kosten (Median) pro gerettetes Lebensjahr für den Bereich Umwelt 4200 Dollar, Arbeitsplatz 350 Dollar, Verkehr 56 Dollar, Wohnung 36 Dollar und Gesundheitswesen 19 Dollar. Falsche Reaktionen auf Risiken können ernsthafte Folgen haben: So erhöhte sich in den USA die Zahl schwerer Verkehrsunfälle nach dem 11. September 2001 deutlich, da viele Menschen vom vermeintlich gefährlichen Flugzeug auf das Auto umstiegen. Im ersten Halbjahr nach 9/11 waren auf den Strassen fast tausend zusätzliche schwere Unfälle zu verzeichnen. Die Lehre daraus: Der beste Schutz vor falschen Risiken besteht darin, Risiken allgemein richtig zu verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prof. Jürgen Margraf ist Direktor des Nationalen Forschungsschwerpunkts sesam und Ordinarius für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Basel.</description>
    <dc:creator>patpatpat</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://sesam.twoday.net/topics/Margraf&quot;&gt;Margraf&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 patpatpat</dc:rights>
    <dc:date>2007-02-05T09:06:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://sesam.twoday.net/stories/3189851/">
    <title>Nachtrag für&apos;s Archiv: Publikation Margrafs Berufung</title>
    <link>http://sesam.twoday.net/stories/3189851/</link>
    <description>So vermeldete die baz am 23.11.1998 die Berufung von Jürgen Margraf:&lt;blockquote&gt;Neuer Professor für Psychologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BaZ. Jürgen Margraf (42) ist vom Universitätsrat zum Ordinarius für klinische Psychologe und Psychotherapie und vom Regierungsrat zum Abteilungsleiter für klinische Psychologie an der Psychiatrischen Universitätsklinik (PUK) Basel gewählt worden. Er tritt auf den 1. April 1999 die Nachfolge von Viktor Hobi an, der auf diesen Zeitpunkt in den Ruhestand treten wird.&lt;br /&gt;
Der Deutsche Jürgen Margraf, der seine Studien in Brüssel, Kiel, Tübingen sowie in den USA absolviert hat und in verschiedenen deutschen und amerikanischen Universitäten tätig war, ist seit 1993 Profesor für klinische Psychologie und Psychotherapie in Dresden. Er gilt laut einer Mitteilung der Universität Basel international als einer der profundesten Angst- und Psychotherapieforscher. Er habe auch mehrere Projekte mit der Basler Pharmaindustrie realisiert. Die Kombination eines Ordinariats an der Philosophisch-historischen Fakultät der Uni und der Abteilungsleitung an der PUK ermögliche eine in Europa einmalige Ausbildung in klinischer Psychologie.&lt;/blockquote&gt;</description>
    <dc:creator>patpatpat</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://sesam.twoday.net/topics/Margraf&quot;&gt;Margraf&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 patpatpat</dc:rights>
    <dc:date>2007-01-17T09:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://sesam.twoday.net/stories/3112433/">
    <title>J. Margraf an der Seniorenuni</title>
    <link>http://sesam.twoday.net/stories/3112433/</link>
    <description>&lt;i&gt;Die Volkshochschule beider Basel hat die Zusammenfassung von Margrafs Vortrag &lt;a href=&quot;http://www.vhsbb.ch/asp/pdf/senuni_06121314_zf_margraf.pdf&quot;&gt;online gestellt&lt;/a&gt;. Hier deren Inhalt:&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Das Projekt &quot;sesam&quot; - Menschliche Entwicklung und seelische Gesundheit verstehen&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Prof. Dr. rer. soc. Jürgen Margraf&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Zusammenfassung&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
Gesundheit ist für die meisten Menschen das höchste Gut. Viele Menschen empfinden dies mit zunehmendem Alter immer stärker. Gleichzeitig liegen die Wurzeln der Entwicklung zu Gesundheit und Krankheit häufig in der Kindheit und Jugend, wobei Familie und Umwelt über die ganzen Lebensspanne einen wichtigen Einfluss haben. Dies gilt auch für seelische Erkrankungen, an denen weltweit immer mehr Menschen leiden. Die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer seelischen Störung zu erkranken, liegt in der Schweiz derzeit bei über 40%. Der grosse Einfluss seelischer Störungen wie beispielsweise der Depression zeigt sich auch beim Vergleich der Todesfälle durch Verkehrsunfälle und Suizide: Im Jahre 2002 standen in der Schweiz 543 Verkehrstoten (Strasse und Schiene) 1546 Suizide gegenüber.&lt;br /&gt;
Was sind die Ursachen und Auslöser von seelischen Störungen wie Depressionen, belastenden Ängsten oder Süchten? Welche Risikofaktoren begünstigen ihren Ausbruch, welche Schutzfaktoren wirken ihnen entgegen? Obwohl diese Fragen von grösster Bedeutung sind, kann die Forschung sie heute noch nicht zufrieden stellend beantworten. Zwar sind viele Einflussfaktoren bekannt, aber es fehlen wissenschaftlich fundierte Befunde über ihre genaue&lt;br /&gt;
Wirkung und vor allem ihr gegenseitiges Zusammenwirken. Dieses Wissen ist jedoch die Voraussetzung für die Entwicklung wirkungsvoller Strategien zur Vorbeugung und Behandlung im Bereich der seelischen Gesundheit.&lt;br /&gt;
Der Nationale Forschungsschwerpunkt sesam wurde vom Bundesrat im Jahr 2005 ins Leben gerufen, um die komplexen Ursachen zu erforschen, die zu seelischer Gesundheit oder Krankheit führen. Das Programm Nationale Forschungsschwerpunkte (NFS) des Schweizerischen Nationalfonds fördert langfristig angelegte Forschungsvorhaben zu Themen von strategischer Bedeutung für die Zukunft der schweizerischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.&lt;br /&gt;
Drei Hauptaspekte prägen die NFS: exzellente und international sichtbare Forschung, Wissens- und Technologietransfer, Ausbildung und Frauenförderung. Zudem sollen die NFS zur besseren Strukturierung der schweizerischen Forschungslandschaft beitragen.&lt;br /&gt;
sesam arbeitet mit einem Netzwerk von Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland und kooperiert mit Spitälern in der ganzen Schweiz. Die Heiminstitution des NFS ist die Universität Basel, viele weitere Universitäten kooperieren.&lt;br /&gt;
Die Abkürzung &quot;sesam&quot; steht für &quot;swiss etiological study of adjustment and mental health&quot;, was mit &quot;Schweizerische Ursachenstudie zu seelischer Gesundheit und Anpassung&quot; übersetzt werden kann. sesam möchte dazu beitragen, menschliche Entwicklung und seelische Gesundheit besser zu verstehen. Dazu begleitet die interdisziplinäre Studie 3000 Kinder und ihre Familien über 20 Jahre, beginnend ab Frühling 2007. Dabei kommt der älteren Generation eine besondere Bedeutung zu. In der mitteleuropäischen Gesellschaft ist das drei-Generationen-Haus selten geworden: Grosseltern werden aus einer Vielzahl von Gründen (immer) weniger in die Erziehung der Enkelkinder einbezogen. Gleichzeitig leben Menschen heute länger und haben damit auch Erwachsene eine viel grössere Chance, noch mit ihren Grosseltern gemeinsam auf der Welt zu sein. Während im Jahr 1900 nur 2% aller 20jährigen lebende Grosseltern hatten, sind dies heute 76%! Grosseltern können das Aufwachsen der Enkel wesentlich bereichern. Und auch umgekehrt kann gelten, dass eine nahe Beziehung zu ihren Kindern und Enkeln die Senior/innen länger jung erhält und zu ihrer Lebenszufriedenheit beiträgt. In sesam wird daher u.a. erforscht, welche Rolle Grosseltern bei der Erziehung oder Transferleistungen zwischen Generationen spielen. Ebenso wird die Frage untersucht, welchen Einfluss grosselterliche Unterstützung auf die psychische Gesundheit aller drei Generationen hat.&lt;br /&gt;
Die wichtigsten Ziele, die sesam erreichen möchte, lauten:

&lt;ol&gt;  
&lt;li&gt;gesundheitsfördernde und schützende Faktoren identifizieren
&lt;/li&gt;&lt;li&gt;kritische Konstellationen im Lebenskontext verstehen, die einer gesunden seelischen Entwicklung entgegenstehen
&lt;/li&gt;&lt;li&gt;zur Entstigmatisierung seelischen Störungen beitragen
&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Grundlagen für die Entwicklung wirksamer Prävention, Behandlung und Bewältigungsstrategien bei seelischen Krankheiten und Lebenskrisen entwickeln&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;

Der Vortrag informiert über die Hintergründe und Vorgehensweisen der sesam-Studie unter besonderer Berücksichtigung der älteren Generation.</description>
    <dc:creator>patpatpat</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://sesam.twoday.net/topics/Margraf&quot;&gt;Margraf&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 patpatpat</dc:rights>
    <dc:date>2006-12-28T10:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://sesam.twoday.net/stories/2156778/">
    <title>Margraf in NZZ am Sonntag: &quot;das Zusammenspiel von Erbe und Umwelt&quot;</title>
    <link>http://sesam.twoday.net/stories/2156778/</link>
    <description>NZZ am Sonntag, 11.06.2006, Ressort Wissen, Autorin: Irene Dietschi, Hervorhebungen durch Sesam Watch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;«Uns geht es um das Zusammenspiel von Erbe und Umwelt»&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;u&gt;Jürgen Margraf leitet das Forschungsprojekt «Sesam»: 3000 Kinder sollen vorgeburtlich und bis zum 20. Lebensjahr untersucht werden, um die Entstehung von psychischer Gesundheit besser zu verstehen. Gentech-Gegner werfen dem Projekt «eugenische Tendenzen» vor. Der Angegriffene antwortet.&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;NZZ am Sonntag: &lt;/b&gt;Herr Professor Margraf, warum braucht es eine Studie, welche die Entstehung psychischer Erkrankungen untersucht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Jürgen Margraf:&lt;/b&gt; Psychische Gesundheit beeinflusst unser Wohlbefinden mehr als die körperliche. Störungen der psychischen Gesundheit treten im Lauf des Lebens bei jedem zweiten Menschen einmal auf, das heisst, jede Familie ist mehr oder minder betroffen. Psychische Gesundheit ist auch mit hohen Kosten verbunden, und es geht um die Frage, wie man den Betroffenen besser hilft. In der Schweiz gibt es jährlich etwa dreimal so viele Suizide wie Verkehrstote - rund 1500 gegenüber 500 -, und wenn man vergleicht, was aufgewendet wird, um Verkehrsunfälle beziehungsweise Suizide zu reduzieren, kommt man auf ein krasses Missverhältnis. Verkürzt gesagt sind es Milliarden gegen ein paar Telefon-Hotlines. Das ist nicht gerechtfertigt und wird dem Leiden der Angehörigen nicht gerecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;NZZ am Sonntag: &lt;/b&gt;Was hat das Projekt «Sesam» also vor?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Jürgen Margraf:&lt;/b&gt; «Sesam» möchte drei Dinge tun: Erstens herausfinden, welches die Schutzfaktoren sind, die psychische Gesundheit bewirken. Diese werden in der Forschung viel zu wenig berücksichtigt, deshalb sind sie unser erstes Ziel. Das zweite: Wir wollen die kritischen Konstellationen im Lebenskontext verstehen, und zwar in der ganzen Bandbreite, von der Biologie bis zur Soziologie. Wir isolieren nicht einzelne Faktoren, sondern es geht um das Zusammenspiel. Denn es gibt viele Gründe für die Annahme, dass sich die verschiedenen Faktoren in ihrer Gesamtheit gegenseitig beeinflussen. Der dritte Punkt schliesslich ist eigentlich der Sinn des Ganzen: Was wir tun, soll Grundlagen liefern für ein besseres Verständnis, aber auch für eine bessere Prävention und Therapie psychischer Störungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;NZZ am Sonntag: &lt;/b&gt;Nehmen psychische Erkrankungen zu?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Jürgen Margraf:&lt;/b&gt; Die Bedeutung psychischer Störungen nimmt zu - was nicht automatisch heisst, dass auch die Häufigkeit steigt. Wenn etwa Infektionskrankheiten seltener werden, steigt die relative Bedeutung anderer Krankheiten. Ein anderer Aspekt: Die ökonomischen Bedingungen sind härter geworden, das heisst, Firmen können es sich weniger leisten, «schwierige» Angestellte an Bord zu behalten. Deshalb haben wir einen sehr starken Anstieg der IV-Renten aufgrund psychischer Störungen. &lt;u&gt;Ob Depressionen häufiger geworden sind, ist unter Experten umstritten, mit Sicherheit zugenommen haben aber die Angststörungen. &lt;/u&gt;Ursachen sind unter anderem die angestiegenen Scheidungsraten, das Auseinanderbrechen der traditionellen Familienstrukturen. Das betrifft vor allem Kinder: &lt;u&gt;Das durchschnittliche Kind heute - nicht das kranke! - hat einen höheren Angstwert als das durchschnittliche kinderpsychiatrisch hospitalisierte Kind in den 50er Jahren.&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;NZZ am Sonntag: &lt;/b&gt;Gegen «Sesam» hat sich heftiger Widerstand formiert. Der Basler Appell gegen Gentechnologie will das Projekt sistieren mit dem Argument, es werde «fremdnützige Forschung an Kindern» betrieben, und das sei unzulässig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Jürgen Margraf:&lt;/b&gt; Das ist ein ganz problematischer Begriff, den ich so nicht stehen lassen kann. Es ist in der Forschung die Regel, dass es keinen direkten Nutzen gibt für denjenigen, der heute an einer Studie teilnimmt. Auch das geplante Humanforschungsgesetz hält diesen Grundsatz fest. Man macht Forschung für einen Erkenntnisgewinn, der dann anderen Menschen zugute kommt. Wenn man das verbieten möchte, muss man sich im Klaren sein, dass man den allergrössten Teil von Forschung verbietet. Die Behauptung, «fremdnützige» Forschung bei Kindern sei verboten, ist deshalb klar falsch. &lt;u&gt;Denken Sie an Pisa oder an die Leukämie-Forschung:&lt;/u&gt; Von Pisa profitieren künftige Schülergenerationen. Und heute können drei Viertel aller an Leukämie erkrankten Kinder geheilt werden, weil damals Eltern ihre Einwilligung gaben, dass das Blut ihrer Kinder untersucht wurde. Mit welchem Recht sollen bei der Erforschung psychischer Krankheiten Einschränkungen gemacht werden, die man bei körperlichen Krankheiten nicht macht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;NZZ am Sonntag: &lt;/b&gt;Dem Projekt werden sogar eugenische Tendenzen vorgeworfen. Sowohl Ihr Kollege, der Psychoanalytiker &lt;a href=&quot;http://sesam.twoday.net/stories/2032152/&quot;&gt;Theodor Cahn,&lt;/a&gt; wie auch der Ethiker &lt;a href=&quot;http://sesam.twoday.net/stories/1734407/&quot;&gt;Klaus Peter Rippe &lt;/a&gt;äusserten sich entsprechend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Jürgen Margraf:&lt;/b&gt; Das ist ein ungeheurer Vorwurf. Herrn Rippe habe ich zum persönlichen Gespräch eingeladen, um ihn aus erster Hand zu informieren. Wie auch übrigens den Basler Appell, der aber verlauten liess, man komme nur zusammen mit der Presse. Der Vorwurf wird den Opfern der Nazi-Verbrechen in keiner Weise gerecht, er kann sogar als Verharmlosung der Untaten wirken. Er wird mit keinerlei Belegen untermauert, es handelt sich offenbar um die simple Analogie: genetische Untersuchungen gleich Eugenik - bloss weil bei einem der Teilprojekte ein DNA-Test verwendet wird. Das ist mehr als fragwürdig. Uns geht es ja ums Zusammenspiel von Erbe und Umwelt, nicht um «die Gene».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;NZZ am Sonntag: &lt;/b&gt;Man wirft Ihnen auch ein reduktionistisches Menschenbild vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Jürgen Margraf:&lt;/b&gt; Das ist auch so ein Kampfbegriff: Man versucht den anderen zu diskreditieren, indem man ihm ein reduktionistisches Menschenbild vorwirft. Wo soll das aber herkommen? Wo sind die Belege, dass wir technokratisch, biologistisch oder was auch immer sind? Wir haben bei «Sesam» Biologie dabei - ist man deswegen biologistisch? &lt;u&gt;Wir haben Soziologie dabei - sind wir deswegen sozialistisch? &lt;/u&gt;Oder Psychologie - sind wir also psychologisierend? Es ist ein Witz. Wir haben zum Beispiel den führenden Medizinsoziologen Johannes Siegrist an Bord, wir mussten ihn im Ausland rekrutieren - und müssen uns nun anhören, wir seien zu wenig sozial! Wäre der Begriff nicht so abgedroschen, würde ich sagen: «Sesam» ist ganzheitlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;NZZ am Sonntag: &lt;/b&gt;Zur Studie: Bei «Sesam» ist die Rede von einer «Kernstudie» und zwölf Teilstudien. Was wird da genau erforscht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Jürgen Margraf:&lt;/b&gt; Die Kernstudie ist die Basis für alle Teilstudien: Wir möchten 3000 Familien in Hinblick auf Entwicklung und psychische Gesundheit begleiten, nicht nur die Kinder, sondern auch Eltern und Grosseltern. Unser Ansatz ist interdisziplinär und methodisch divers. Die Informationen, die dort erhoben werden, sind die Basis für Teilstudien, in denen Teilaspekte untersucht werden, zum Beispiel das elterliche Gedächtnis: Wie detailgetreu behalten Eltern Lebensereignisse und Verhaltensweisen ihres Kindes in Erinnerung? Eine Teilstudie untersucht die Blinzelreaktionen von Säuglingen: Gibt es eine Verbindung zu späterem Suchtverhalten? Eine weitere Teilstudie hier in Basel geht der Frage nach, ob und wie sich Stress während der Schwangerschaft auf die Entwicklung des Kindes auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;NZZ am Sonntag: &lt;/b&gt;Wie soll diese Untersuchung vonstatten gehen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Jürgen Margraf:&lt;/b&gt; Es wird vor allem das Verhalten des Kindes beobachtet, und zwar schon im Mutterleib, bei der routinemässigen Ultraschall-Untersuchung in der 20. Schwangerschaftswoche. Wie aktiv ist das Kind? Welchen Schlaf-Wach- Rhythmus hat es? Die Gruppe um Wolfgang Holzgreve, der die Studie leitet, möchte im Grunde das Qualitätsmanagement des Ultraschalls verbessern. Die Forschungsfrage von «Sesam» ist dabei ein Zusatznutzen.&lt;br /&gt;
In einem anderen Projekt wird mit Hilfe des Computers ein Elektrokardiogramm des ungeborenen Kindes erstellt. Auf dieser Basis können wir die vegetative Labilität untersuchen - einen der klassischen Risikofaktoren für den ganzen Bereich von affektiven und Angststörungen, auch Sucht. Diese Werte bringen wir dann zusammen mit dem Stress-Erleben der Mutter während der Schwangerschaft und können so sehen, wie sich das später beim Kind auswirkt. Entwickelt es Verhaltensauffälligkeiten, welche Faktoren helfen, welche schaden möglicherweise? Das ist sehr spannend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;NZZ am Sonntag: &lt;/b&gt;Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern können doch verschiedenste Ursachen haben. Und je mehr Faktoren an einem Phänomen beteiligt sind, desto schwieriger wird es, sie auseinander zu halten, das heisst, eine statistische Signifikanz für einen einzelnen Faktor zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Jürgen Margraf:&lt;/b&gt; Man kann die Faktoren für den Einzelfall nicht auseinander halten. Wir können höchstens über Gruppen Aussagen machen, denn bei grossen Gruppen ergibt sich im Durchschnitt ein aussagekräftiges Resultat. Wir können jedoch keine individuellen Risikoprofile herausgeben. Das wäre auch ethisch hoch problematisch. Wir arbeiten nur mit anonymisierten Daten und nur auf der Ebene von Gruppen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;NZZ am Sonntag: &lt;/b&gt;Auf der Homepage von «Sesam» &lt;a href=&quot;http://www.sesamswiss.ch/eltern/&quot;&gt;werden bereits interessierte Familien angesprochen&lt;/a&gt;, die im Frühling 2007 ein Kind erwarten. Glauben Sie wirklich, dass Sie zu jenem Zeitpunkt starten können? Es heisst, die kantonalen Ethikkommissionen seien nicht involviert worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Jürgen Margraf:&lt;/b&gt; Das ist auch so ein Vorwurf, der jeglicher Grundlage entbehrt, die Ethikkommission beider Basel etwa war von Anfang an über «Sesam» &lt;u&gt;informiert&lt;/u&gt;. Ich rechne nicht mit Schwierigkeiten, sondern bin zuversichtlich, dass wir plangemäss starten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;NZZ am Sonntag: &lt;/b&gt;Wie wollen Sie die 3000 Familien 20 Jahre lang bei der Stange halten? Was bekommen die für ihren Aufwand?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Jürgen Margraf:&lt;/b&gt; Sie sprechen die wichtigste Frage von Langzeitstudien an: Wie viele Studienteilnehmer bleiben langfristig dabei? Wenn viele dabeibleiben, sind die Aussagen gut verallgemeinerbar; wenn viele wegbleiben, bleibt unklar, welche Selektionsprozesse mit im Spiel sind, und man kann die Erkenntnisse nicht mehr verallgemeinern. Die Schweiz hat bei Langzeitstudien ganz hohe Erfolgswerte, wie sie in anderen Ländern nie realisiert wurden. Die Langzeitstudie von Herrn Schöpf zur Schizophrenie hatte nach 22 Jahren eine Wiederteilnahmerate von 92 Prozent, die Zürcher Longitudinalstudien von Remo Largo weisen einen ähnlich hohen Wert auf. Die Schweiz hat eine stabile Bevölkerung, die gegenüber Forschung im Allgemeinen positiv eingestellt ist, und wenn die Untersuchungen interessant sind, dann kommt man gerne wieder. Eine weitere Rolle spielt, ob die Untersuchungen aufwendig und invasiv sind. Das ist bei «Sesam» nicht der Fall. Über Blut- und Speichelproben hinaus haben wir keine invasiven Untersuchungen. Unser Ziel ist es, dass am Ende der Studie 70 Prozent noch dabei sind. Das ist realistisch.

&lt;blockquote&gt;Forschungsschwerpunkt «Sesam»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nationale Forschungsschwerpunkt «Sesam» (Swiss Etiological Study of Adjustment and Mental Health) hat sich der Erforschung psychischer Gesundheit verschrieben. Dabei sollen 3000 Kinder ab der 12. Schwangerschaftswoche bis zum 20. Altersjahr regelmässig untersucht und befragt werden. «Sesam» besteht aus 1 Kern- und 12 Teilstudien, an denen Forschende der Universitäten Basel, Bern, Freiburg, Zürich und Trier (D) beteiligt sind. Vorgeburtlich sind (nichtinvasive) Ultraschalluntersuchungen geplant, bei der Geburt werden Speichelproben für einen DNA-Test entnommen; ein einziges der 12 Teilprojekte befasst sich mit der Genetik («Der Einfluss genetischer Faktoren auf Entwicklung und Verlauf psychischer Erkrankungen»). Andere Teilstudien widmen sich etwa der Bedeutung der Grosseltern oder den gesellschaftlichen Einflüssen auf die Familie. Dafür sind Interviews mit den Grosseltern, Eltern und Kindern vorgesehen. Von «Sesam» erhoffen sich die Forschenden Einsicht darüber, was zur psychischen Gesundheit beiträgt, welche Faktoren Depressionen und Angststörungen begünstigen. Leiter des Projektes ist Jürgen Margraf, 50, Professor für klinische Psychologie und Psychotherapie in Basel. Das Budget der ersten Phase bis 2008 beträgt 23 Millionen Franken.&lt;/blockquote&gt;</description>
    <dc:creator>patpatpat</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://sesam.twoday.net/topics/Margraf&quot;&gt;Margraf&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 patpatpat</dc:rights>
    <dc:date>2006-06-12T06:58:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://sesam.twoday.net/stories/2130431/">
    <title>Margraf: &quot;Angststörungen nehmen bei Kindern dramatisch zu&quot;</title>
    <link>http://sesam.twoday.net/stories/2130431/</link>
    <description>&lt;a href=&quot;http://www.ges.ch&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Gesundheit-SprechStunde&lt;/a&gt;; 07.04.2006; Seite 13; Nummer 7:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;«Angststörungen nehmen bei Kindern dramatisch zu»&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;u&gt;&lt;i&gt;Warum verbreiten sich Angsterkrankungen seit fünfzig Jahren so schnell? Die Forschung gibt Antwort.&lt;/i&gt;&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;AUTOR: Von Beat Leuenberger&lt;br /&gt;
&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
«Menschen leiden heute häufiger unter Angst als früher», stellt Prof. Jürgen Margraf fest. Der Leiter der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Basel interpretiert die Auswertung von Befragungen seit den 50er-Jahren: «Der Anstieg von Angsterkrankungen ist dramatisch.»&lt;br /&gt;
Am dramatischsten bei Kindern. Angstforscher Margraf: «&lt;b&gt;Kinder, die heute als gesund gelten, leiden stärker unter Angst, als Kinder, die vor fünfzig Jahren in der Psychiatrie behandelt wurden.&lt;/b&gt;»&lt;br /&gt;
Wie ist das zu erklären? «Die Gene können es nicht sein», sagt Jürgen Margraf. «Sie verändern sich nicht so schnell.» Setzen die Wissenschafter aber den Angstanstieg in Beziehung mit sozialen Faktoren, finden sie vier Erklärungen: Angst vor Gewalt und Terroranschlägen, vor Naturkatastrophen, vor Seuchen wie Sars und Krankheiten wie Aids. Die zweite Erklärung ist die steigende Arbeitslosenzahl und die Zahl von Kindern, die unter dem Existenzminimum leben müssen.&lt;br /&gt;
Als dritte Erklärung nennen die Psychologen soziale Verbundenheit respektive ihre rasante Veränderung. Prof. Margraf: «Die Menschen heiraten seltener. Wenn sie heiraten, tun sie es später als in vergangenen Zeiten, sie haben weniger Kinder und sie lassen sich viel häufiger scheiden.»&lt;br /&gt;
Die Statistik gibt dem Angstexperten Recht: Bald jedes zweite Paar lässt sich in der Schweiz scheiden (Ende 2005: 45,5 Prozent), die Geburtenrate ist auf knapp unter 1,4 pro Familie gesunken, dafür die Zahl der Einzelhaushalte auf über 36 Prozent angestiegen. «Das heisst», so Jürgen Margraf, «die traditionellen Strukturen des Zusammenlebens verschwinden nach und nach und wir leben mehr und mehr in einer Gesellschaft der Vereinzelung.»&lt;br /&gt;
Die grosse Übersichtsstudie zum Thema Angst, die der Wissenschafter zitiert, wertete über 250 Befragungen mit mehr als 50&apos;000 Erwachsenen und Kindern im Schulalter aus. «Sie zeigt deutlich, dass die sozialen Veränderungen da waren, bevor die Angst zunahm - und nicht umgekehrt», erklärt Margraf, «was es hoch wahrscheinlich macht, dass die Angst eine Folge des Umbruchs von Sozialstrukturen ist.»&lt;br /&gt;
Zur vierten wichtigen Erklärung für die Angstzunahme betreiben die Basler Psychologen um Jürgen Margraf eigene Forschung. Es ist die Dimension der Kontrollierbarkeit: «Belastungen, welche die Leute kontrollieren können, werden viel besser vertragen und machen sowohl psychisch wie auch körperlich viel weniger krank.» Ganz entscheidend dabei sei die eigene Wahrnehmung, sagt Margraf: «Sind die Menschen davon überzeugt, dass sie die Kontrolle haben, fühlen sie sich gut, auch wenn die Wirklichkeit anders ist.»&lt;br /&gt;
Nun kommt aber das Gefühl, sein Leben unter Kontrolle zu haben, zunehmend abhanden. Die Leute spüren, dass immer grössere Bereiche ihres Lebens ihrem direkten Zugriff verwehrt bleiben. Jürgen Margraf macht ein Beispiel: Die Globalisierung führt dazu, dass bei uns Arbeitsplätze verschwinden und nach Indien oder China verlegt werden. &lt;b&gt;«Was kann der Einzelne dagegen tun?», fragt der Psychologe rhetorisch. «Natürlich nichts. Egal, welche politische Partei ich wähle, ich kann nicht wirklich etwas dagegen tun - und das macht Angst.»&lt;/b&gt;
&lt;blockquote&gt;Jürgen Margraf, Institut für Psychologie, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie, Universität Basel - Erst kommt die Angst, dann die Depression: «Wir erfahren in immer stärkerem Ausmass, dass wir in einer vernetzten Welt leben. Der Einzelne kommt sich klitzeklein vor. Menschen aber, die das Gefühl haben, ihr Leben nicht kontrollieren zu können, erkranken viel eher an einer Angststörung. Hält diese lange unbehandelt an, kommen Depressionen und körperliche Leiden dazu.»&lt;/blockquote&gt;</description>
    <dc:creator>patpatpat</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://sesam.twoday.net/topics/Margraf&quot;&gt;Margraf&lt;/a&gt;</dc:subject>
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    <dc:date>2006-06-07T07:48:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://sesam.twoday.net/stories/1950622/">
    <title>Vortrag Jürgen Margraf am Alumnitag der Uni Basel</title>
    <link>http://sesam.twoday.net/stories/1950622/</link>
    <description>&lt;a href=&quot;http://www.alumnibasel.ch&quot;&gt;Alumni&lt;/a&gt;tag (Programm &lt;a href=&quot;http://www.alumnibasel.ch/doc/doc_download.cfm?uuid=1E6894B230059AAD3D76C2DEB53CBB1E&amp;&amp;IRACER_AUTOLINK&amp;&amp;&quot;&gt;als .pdf&lt;/a&gt;) Samstag, 17.6.2006, 17.2517.45  Hörsaal 2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Prof. Dr. Jürgen Margraf, Direktor des Nationalen Forschungsschwerpunktes sesam und Ordinarius für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Basel.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Die Vögel, die Furcht und die Psychologie der Risikowahrnehmung&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Jahr sind in der Schweiz bereits Hunderte von Menschen am  Suizid gestorben, viele andere an der ganz «normalen» Grippe, aber noch niemand an der Vogelgrippe. Warum fürchten viele Menschen dann die  Vogelgrippe mehr als die normale Grippe, den Autoverkehr oder den Suizid? Die Psychologie hat die Mechanismen der Risikowahrnehmung systematisch erforscht. Ihre Erkenntnisse helfen uns dabei, wichtige von weniger wichtigen Gefahren zu unterscheiden und unser Verhalten danach auszurichten.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dem Thema &lt;a href=&quot;http://sesam.twoday.net/stories/1689345/&quot;&gt;befragte ihn unlängst die Tribune de Genève.&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>patpatpat</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://sesam.twoday.net/topics/Margraf&quot;&gt;Margraf&lt;/a&gt;</dc:subject>
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    <title>Jürgen Margraf &quot;on Tour&quot;?</title>
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    <description>(&lt;a href=&quot;http://www.epfl.ch/cgi-bin/memento/memento/view/pretty/submem=SV?entry=C347788724&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;EPFL&lt;/a&gt;) Memento Faculté des Sciences de la Vie : Conférences - Séminaires&lt;br /&gt;
Mercredi 26 avril 2006 à 12h15; Understanding Mental Health And Human Development: The NCCR Sesam Par Jürgen Margraf; Salle AAB 032 	Host: Carmen Sandi</description>
    <dc:creator>patpatpat</dc:creator>
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    <dc:date>2006-04-12T23:48:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sesam.twoday.net/stories/1789379/">
    <title>Jürgen Margraf am 2. gemeinsamen Kongress der Psy-Verbände</title>
    <link>http://sesam.twoday.net/stories/1789379/</link>
    <description>Der Leiter von Sesam &lt;a href=&quot;http://www.psychotherapiekongress.ch/2006/deutsch/020_ablauf.asp&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;wird am 24.6.06 offenbar anzutreffen sein hier&lt;/a&gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PANEL 7 - LOHNENDE PSYCHOTHERAPIE KOSTET: ÖKONOMIE.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andreas Frei: Der volkswirtschaftliche Nutzen der Psychotherapie.&lt;br /&gt;
Jürgen Margraf: Kosten und Nutzen ambulanter Psychotherapie: Eine ökonomisch-psychologische Analyse.&lt;br /&gt;
Volker Tschuschke: Psychotherapie in Zeiten evidenzbasierter Medizin  Wege und Irrwege.&lt;br /&gt;
Moderation: Hugo Grünwald</description>
    <dc:creator>patpatpat</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://sesam.twoday.net/topics/Margraf&quot;&gt;Margraf&lt;/a&gt;</dc:subject>
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    <dc:date>2006-04-04T15:00:27Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://sesam.twoday.net/stories/1744319/">
    <title>Sesam und &quot;Woche des Gehirns&quot;</title>
    <link>http://sesam.twoday.net/stories/1744319/</link>
    <description>Heute in der baz über die &quot;&lt;a href=&quot;http://www.biozentrum.unibas.ch/neuro/brainweek06/index.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Woche des Gehirns&lt;/a&gt;&quot;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Jeweils um 19.30 beginnend, wird im Grossen Hörsaal des Zentrums für Lehre und Forschung an der Hebelstrasse 20 von Montag bis Freitag ein Panorama der Sinne gezeichnet, die uns im täglichen Leben begleiten. «Wie kommt Schall ins Gehirn» macht am Montag den Anfang. Da geht es um gutes Hören und dessen Erforschung. Am Dienstag ist die Nase vorn und geht es in einem moderierten Dreier-Gespräch um Rosen oder vielleicht gar um Bier, denn die Feldschlösschen-Sensorikerin Katharina Bitterli ist angesagt. Am Mittwoch ist das Auge und dessen Entwicklung im Fokus, mit dem bekannten Basler Entwicklungsbiologen Walter Gehring am Start. Am Donnerstag geht es um die guten und schlechten Seiten des Schmerzes und am Freitag um gute Gefühle. Da wird der Novartis-Forscher Hans-Rudolf Olpe über das Gehirn als Schauplatz der Emotionen berichten und &lt;b&gt;Jürgen Margraf die Gelegenheit nutzen, den Zusammenhang zwischen positiven Emotionen und dem «sesam»-Projekt zu erklären.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(...)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Freitag, 31. März: «Was gute Gefühle in uns bewirken». Mit PD Hans-Rudolf Olpe, Dr. Dominik Bach und Prof. Jürgen Margraf.&lt;/b&gt;&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>patpatpat</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://sesam.twoday.net/topics/Margraf&quot;&gt;Margraf&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 patpatpat</dc:rights>
    <dc:date>2006-03-25T08:47:56Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://sesam.twoday.net/stories/1689345/">
    <title>Margraf über die Angst vor der Vogelgrippe</title>
    <link>http://sesam.twoday.net/stories/1689345/</link>
    <description>&lt;a href=&quot;http://www.tdg.ch/tghome/toute_l_info_test/l_evenement/grippe__10_03_.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Tribüne de Genève, 10.3.06.&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Pourquoi avons-nous peur de la grippe aviaire?&lt;/b&gt;    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Lhomme craint démesurément ce qui est exceptionnel, alors quil banalise trop ce qui est quotidien et quil connaît bien.    &lt;br /&gt;
* Les psychologues livrent quelques conseils pratiques pour gérer la peur du virus et ne pas céder à la panique.    &lt;br /&gt;
* Entre-temps dans le monde, la faim tue 9 millions de personnes par an, le sida 3 millions, le tabac 5 millions...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PASCALE ZIMMERMANN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quels mécanismes psychologiques régissent la peur collective de la grippe aviaire? - keystone&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grippe aviaire, SRAS, vache folle, sida... autant de maladies, installées ou hypothétiques, qui ont provoqué ces dernières années de violentes poussées d&apos;angoisse dans la population. Pourquoi la fièvre s&apos;empare-t-elle à ce point des gens face à un virus? Quels mécanismes psychologiques&lt;br /&gt;
régissent ces peurs collectives qui affolent certains jusqu&apos;à la panique?&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Le professeur Jürgen Margraf&lt;/b&gt; avance quelques explications. Psychologue spécialiste de la gestion des risques à l&apos;Université de Bâle, il dirige également le Pôle de recherche national SESAM. Cette Etude étiologique suisse de la santé mentale s&apos;intéresse au transfert des angoisses au sein d&apos;une même famille, pendant vingt ans et sur trois générations; à la perception des dangers; et à la manière de gérer le risque de voir le malheur s&apos;abattre sur soi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Pour l&apos;instant, personne n&apos;est mort de la grippe aviaire, ni en Suisse ni en Europe. Pourquoi le virus H5N1 fait-il tellement peur?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Depuis le 1er janvier, 300 personnes se sont suicidées en Suisse, mais personne n&apos;en parle. Nous avons atteint hier le seuil d&apos;épidémie de la grippe. Elle tue chaque année, mais là aussi, personne n&apos;en parle. Car il existe une loi en psychologie qui veut qu&apos;on craigne démesurément l&apos;exceptionnel, et qu&apos;on minimise le danger que représente ce qui est quotidien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Par exemple?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Nous avons plus peur en avion qu&apos;en voiture, parce que nous voyageons moins souvent en avion. Nous craignons davantage pour nos enfants la rencontre avec un pédophile que de les voir traverser seuls la route. Pourtant il se produit en Suisse un crime sexuel mortel tous les quinze ans.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Vous évoquez le rôle amplificateur des médias.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Il est particulièrement flagrant dans le cas de la grippe aviaire. Le marketing rejoint la loi psychologique que je viens de citer. L&apos;extraordinaire se vend mieux que l&apos;habituel. Commence ensuite un cercle vicieux: les gens veulent toujours plus d&apos;informations; des décisions politiques sont prises, que les médias sont contraints de relayer, et ainsi de suite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Peut-on se raisonner pour éviter la panique?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Oui, mais l&apos;homme n&apos;est pas complètement rationnel. Nous fonctionnons par probabilité. Tout ce qui nous arrive a un certain degré de potentialité. Quel est le risque que je meure d&apos;un cancer du poumon si je fume? J&apos;en fais une estimation et je prends ma décision.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Qu&apos;est-ce qui détermine notre évaluation d&apos;un risque?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Des facteurs culturels. Et l&apos;évolution de l&apos;humanité. Lorsqu&apos;un de nos ancêtres préhistoriques entendait un bruit, s&apos;il évaluait le risque avec une marge d&apos;erreur trop grande, il mourait dévoré par un tigre. La prudence a donc été récompensée. Nous portons en nous les gènes de nos ancêtres les plus circonspects. D&apos;où notre extrême prudence aujourd&apos;hui.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Mais lorsque nous avons l&apos;impression de ne plus contrôler la situation, cette prudence devient une angoisse collective.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Oui, mais ce qui compte en psychologie, ce n&apos;est pas le contrôle objectif. C&apos;est la perception qu&apos;on en a. Or, depuis une quinzaine d&apos;années, après une longue période très faste, il me semble qu&apos;en Suisse, beaucoup de gens ont le sentiment que tout leur échappe. Or, quand on ne peut pas contrôler les événements, on essaie de les prévoir. D&apos;où une demande boulimique d&apos;informations. Quand on ne peut ni contrôler, ni prévoir, comme c&apos;est le cas avec la grippe aviaire, c&apos;est la panique.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Le phénomène prend-il plus d&apos;ampleur lorsque la peur touche l&apos;alimentation?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Sans aucun doute. On avale le danger et il circule ensuite dans notre corps. C&apos;est très inquiétant. Regardez les OGM. Ils font peur dans l&apos;alimentation; personne ne veut en manger. Mais ils sont tout à fait admissibles en médecine.</description>
    <dc:creator>patpatpat</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://sesam.twoday.net/topics/Margraf&quot;&gt;Margraf&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 patpatpat</dc:rights>
    <dc:date>2006-03-13T08:34:32Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://sesam.twoday.net/stories/1340456/">
    <title>DIE ZEIT über Angststörungen</title>
    <link>http://sesam.twoday.net/stories/1340456/</link>
    <description>Der längere Artikel in der Ausgabe vom 29.12.05 zitiert Margraf:&lt;br /&gt;
&lt;small&gt;&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/2006/01/S-Angst_2fneu&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Fehlalarm im Mandelkern&lt;/a&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;u&gt;Panikattacken und Phobien machen Millionen Menschen das Leben schwer. Ihr Angstempfinden ist gestört, die Biochemie in ihrem Hirn außer Kontrolle. Mit der richtigen Therapie bekommen die Patienten das Problem gut in den Griff.&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
(...)&lt;br /&gt;
&lt;u&gt;Der Psychologieprofessor Jürgen Margraf von der Universität Basel&lt;/u&gt; ermittelte, dass gerade einmal ein Prozent aller Patienten mit Angststörungen hierzulande die richtige Behandlung in Form von Psychotherapie oder Medikamenten erhält. Bis die Betroffenen kompetente Hilfe finden, haben sie meist eine jahrelange Odyssee durch das Gesundheitssystem hinter sich. Der durchschnittliche Angstpatient in Deutschland hat eine Vorgeschichte mit zehn Ärzten und sieben Jahren vergeblicher Therapie.&lt;br /&gt;
(...)&lt;br /&gt;
Schon was die Menschen als Stressor bewerten, ist höchst variabel. »Ich kann da manchmal nur den Kopf schütteln, wenn ich sehe, was zum Stress erklärt wird«, sagt Holsboer. Jeder Druck werde als unnatürliche Störung angesehen: »Als wenn wir als höchstes Lebensziel ein stressfreies Leben brauchten.« Die Epidemiologen neigten dazu, zu viele Menschen als angstkrank zu betrachten. Holsboer kann nicht bestätigen, dass in letzter Zeit mehr Angstpatienten in seine Klinik strömen. »Die Pharmaindustrie ist natürlich überglücklich über Erhebungen, bei denen rauskommt, dass praktisch jeder Bürger ein Psychopharmakon haben sollte.«&lt;br /&gt;
(...)&lt;br /&gt;
&lt;/small&gt;&lt;br /&gt;
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt à la: Wer finanziert Sesam massgeblich mit - oder soll zumindest? Die Pharmaindustrie.&lt;br /&gt;
&lt;small&gt;&lt;br /&gt;
Der Königsweg der Psychotherapie im Kampf gegen Ängste ist nach heutigem Wissen die kognitive Verhaltenstherapie. Genauso wie letztlich alle krankhaften Ängste »erlernt« sind, lassen sie sich auch wieder verlernen. Bei einem Patienten mit einer Panikstörung oder einer Phobie besteht ein Teil der Behandlung deshalb darin, dass man ihn  nach entsprechender psychologischer Vorbereitung  scheinbar brutal mit den Auslösern seiner Angst konfrontiert. Wer Angst vor hohen Gebäuden hat, geht mit dem Therapeuten auf Kirchen oder Fernsehtürme, Hundephobiker besuchen ein Tierheim, und wer Angst vor großen Plätzen hat, bekommt einen Termin für einen Spaziergang über den Marktplatz. Statt einen Rückzieher zu machen, setzt sich der Betroffene so lange seiner Angst aus, bis die Reaktion nach kurzer Zeit von selbst abklingt. Entscheidend ist dabei, dass der Patient am eigenen Leib erlebt, dass die von ihm als unausweichlich angesehene Katastrophe (»Ich sterbe« oder »Das Flugzeug wird abstürzen«) ausbleibt. Die Chancen auf Heilung stehen gut: Mehr als 80 Prozent der an einer Panikstörung oder einer Phobie Leidenden können von ihren Qualen befreit werden. Und das ganz ohne jahrelange Seelenbeschau auf der Couch. In vielen Fällen, sagt &lt;u&gt;der Basler Psychologe Margraf&lt;/u&gt;, reichen 10 bis 20 Therapiestunden aus, um den Betroffenen wieder ein normales Leben zu ermöglichen.&lt;/small&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das klingt sehr nach Margrafscher Konfrontationstherapie, &lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/archiv/1999/24/199924.fliehen_tunnelef.xml&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;über die DIE ZEIT bereits in der Ausgabe 24/1999 schrieb&lt;/a&gt;:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;small&gt;»Immobil zu sein ist eine genetisch angelegte Urangst«, sagt Jürgen Margraf, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Basel. Patienten, die an Tunnelphobie leiden, führt er in den Berg hinein. Konfrontationstherapie. Im Tunnel sollen die Leute erfahren, wie die Angst nachlässt. Sie sollen lernen, dass Dunkelheit und Enge nicht automatisch Gefahr, Herzrasen und Tod bedeuten. »Die Verbindungen im semantischen Netzwerk der Ängste kappen« nennt das Jürgen Margraf. Er hat diese Therapie an der TU Dresden, wo er zuvor arbeitete, erfolgreich angewendet.&lt;/small&gt;</description>
    <dc:creator>patpatpat</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://sesam.twoday.net/topics/Margraf&quot;&gt;Margraf&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2005 patpatpat</dc:rights>
    <dc:date>2005-12-30T20:49:39Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://sesam.twoday.net/stories/1256951/">
    <title>Bock = Gärtner????</title>
    <link>http://sesam.twoday.net/stories/1256951/</link>
    <description>Artikel in der NZZ am Sonntag von heute aus der Feder von Erich Aschwanden, der Bezug nimmt auf eine neue Studie, an der Jürgen Margraf mitgeschrieben hat:&lt;BR /&gt;&lt;BR /&gt;&lt;SMALL&gt;&lt;b&gt;Kostenschub bei der Psychotherapie&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;u&gt;Laut einer Studie hätten über eine halbe Million Schweizer eine Behandlung nötig&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Eine vollständige Abdeckung des Bedarfs an Psychotherapien hätte einen Kostenanstieg von 400 bis 570 Millionen Franken zur Folge. Das Bundesamt für Gesundheit will die Leistungen nun einschränken.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Als am Mittwoch bekannt wurde, dass Hans Heinrich Brunner seinen Posten als Vizedirektor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) abgibt, dürften einige aufgeatmet haben. Doch die Freude war verfrüht, denn er will in seinem verbleibenden Pensum den Druck auf die Leistungserbringer nicht lockern. «Nach der Entlastung von den administrativen Aufgaben kann ich mich in meinem Halbzeitjob, den ich beim Bund behalte, noch stärker auf die Programme zur Kostensenkung konzentrieren», sagt Brunner gegenüber der «NZZ am Sonntag».&lt;br /&gt;
Ins Visier genommen hat er die Psychotherapie, bei der ein enormer Kostenschub droht. Ende Oktober ist die Vernehmlassung zum Gesetz über die Psychologieberufe abgelaufen, das die Anforderungen an diese Berufe landesweit vereinheitlicht und den Titel Psychologe schützen soll. Gemäss Brunner heisst dies mittelfristig, dass Psychotherapeuten als Leistungserbringer im Sinne des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) anerkannt werden. Heute können über die Grundversicherung nur psychologische Leistungen abgerechnet werden, die von Ärzten erbracht werden oder von Psychologen, die Patienten von Ärzten zugewiesen erhalten. 2004 beliefen sich diese Kosten auf rund 500 Millionen Franken.&lt;br /&gt;
Zu wenig Therapien&lt;br /&gt;
Im Auftrag des BAG hat &lt;a href=&quot;http://www.obsan.ch&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;das Institut Schweizer Gesundheitsobservatorium&lt;/a&gt; abgeklärt, welche Folgen die Zulassung der Psychotherapeuten zum KVG hätte. Die Studie* kommt zu zwei Schlüssen: &lt;b&gt;Die Schweiz ist momentan mit Psychotherapien schlecht versorgt. Heute werden rund 146 000 Patienten wegen Angstzuständen, Depressionen und anderen Störungen behandelt. Die Autoren gehen davon aus, dass bis zu 553 000 Personen eine Therapie nötig hätten und eine solche auch antreten möchten.&lt;/b&gt; «Es muss daher darüber entschieden werden, ob die Versorgungslage verbessert werden soll und welche Kosten dafür in Kauf genommen werden sollen», heisst es in der Studie.&lt;br /&gt;
Die Experten haben mehrere Szenarien analysiert. Sollten Psychotherapeuten völlig frei zugelassen werden, hätte dies Mehrkosten von 398 bis 571 Millionen für die obligatorische Krankenversicherung zur Folge. Mit Einschränkungen wie Einholen einer Zweitmeinung, tieferen Grenzen für die Therapiedauer von heute 60 Stunden auf 40 Stunden oder Überweisung durch den Arzt liegen die Mehrkosten zwar tiefer, aber immer noch deutlich über den heutigen Ausgaben. Konkrete Zahlen dazu nennen Experten nicht. Sie raten von einer uneingeschränkten Zulassung der Psychotherapeuten ab. Kostenneutral wäre die Zulassung nur, wenn neben den Beschränkungen die Vertragsfreiheit zwischen Krankenkassen und Therapeuten eingeführt würde. Ausserdem sollen gemäss diesem Szenario in der Grundversicherung nur Behandlungen zugelassen werden, die ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen.&lt;br /&gt;
Beim BAG und den Psychotherapeuten zieht man völlig unterschiedliche Schlüsse aus dem Bericht, der auf beiden Seiten als «qualitativ hochstehend» gilt. Hans Heinrich Brunner sieht sich bestätigt in seiner Annahme, dass die Nachfrage nach Psychotherapien stark steigen wird und alles unternommen werden muss, damit die Ausgaben nicht zu stark steigen. Er bezweifelt, dass die Vertragsfreiheit sich positiv auswirkt: «In den USA hat man dies gemacht, und die Kosten sind noch stärker angewachsen.» Raimund Dörr, Präsident des Schweizer Psychotherapeutinnen- und Psychotherapeuten-Verbandes (SPV), legt das Schwergewicht auf die Unterversorgung: «Wenn eine psychische Störung nicht rechtzeitig und richtig behandelt wird, hat dies in vielen Fällen körperliche Erkrankungen oder sogar das Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess zur Folge.» Als Beispiel nennt er den Fall eines Mannes, der nach einem Autounfall an Angstzuständen litt. Nach 40 Therapiesitzungen konnte er wieder voll in den Beruf einsteigen. «Diese Investition hat sich gelohnt», sagt Dörr.&lt;br /&gt;
Dauer begrenzen&lt;br /&gt;
Doch Brunner macht klar, dass die Kosten nicht steigen dürfen, sondern sinken müssen. So will er bis Mitte 2006 Gesundheitsminister Couchepin Vorschläge unterbreiten, «mit denen der wild wachsende Baum der Psychotherapien etwas zurechtgestutzt wird». Doch da es schwierig ist, Abgrenzungen zwischen verschiedenen Therapieformen zu machen, setzt er den Hebel bei der Behandlungsdauer an: «Bei den meisten Therapien wird der maximale Nutzen nach zehn bis zwölf Stunden erreicht. Die Endlos-Therapien, bei denen jemand immer wieder aufgeboten wird, sind sinnlos.» Wo die Grenzen gezogen werden sollen, klärt das BAG momentan mit Experten ab.&lt;br /&gt;
SPV-Präsident Dörr warnt vor willkürlichen Vorgaben: «Bereits heute sind wir bemüht, die Therapie so kurz wie möglich zu halten, schliesslich soll Leiden verringert oder beendet werden und nicht verlängert. Aber es gibt auch psychische Erkrankungen, wie dissoziative Störungen, bei denen die durchschnittliche Behandlungsdauer sechs bis acht Jahre beträgt.» Er befürchtet, dass der Bund einen riesigen und dementsprechend teuren Kontrollapparat aufzieht, um überprüfen zu können, ob die Therapeuten effizient arbeiten.&lt;br /&gt;
* Zulassung der psychologischen Psychotherapeut/innen zur Krankenversicherung? Spycher, Markgraf [sic! &lt;a href=&quot;http://www.buerobass.ch/neu_aktuell_d.html#LaufendeProjekte&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;es ist aber Margraf&lt;/a&gt;], Meyer. Neuenburg 2005.&lt;/small&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Versteh ich das richtig (ohne den &lt;a href=&quot;http://www.obsan.ch&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;ObSan-Bericht &lt;/a&gt;im Original gelesen zu haben)? Ein Bericht mit Margraf als Co-Autor diagnostiziert, dass 553&apos;000 Personen in der Schweiz eine Psychotherapie nötig hätten (&lt;a href=&quot;http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/bevoelkerung/uebersicht/blank/wichtigste_kennzahlen.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;=10% der erwachsenen Bevölkerung&lt;/a&gt;), was bis zu einer halben Milliarde Mehrkosten verursachen würde. Andererseits ist derselbe Autor Leiter eines Projektes (Sesam), das sich auf die Fahnen geschrieben hat, &lt;a href=&quot;http://www.psycho.unibas.ch/sesam/index_html?content=society&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;die unter anderem durch psychische Krankheiten verursachten Kosten des Gesundheitswesens runterzubringen&lt;/a&gt;:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;small&gt;The results will have implications for a sound understanding and theoretical framework of the development of mental health in general. This will not only help to advance our scientific knowledge, but will also contribute significantly to the development and implementation of prevention, treatment, and public health strategies in Switzerland. In this way, the NCCR will help reduce or even avoid harm in human beings as well as reduce health care costs and increase competitiveness of the Swiss economy.&lt;/small&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Überspitzt gefragt: Diagnostiziert Margraf der Schweizerischen Gesellschaft einerseits im &lt;a href=&quot;http://www.obsan.ch&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;ObSan-Bericht&lt;/a&gt; die Krankheit, die er an ihr andererseits mit Sesam dann gleich kurieren will? Ist das nun folgerichtig und konsequent, oder macht sich hier via diese Personalunion von &quot;Diagnostizierendem&quot; und &quot;Therapeut&quot; der Bock gleich selber zum Gärtner? Wie ist die wissenschaftliche Objektivität der argumentativen Grundlagen von Sesam zu garantieren, wenn der Leiter sie (mit)verfasst hat? Ist das nicht so, als ob - ein drastischer Vergleich, zugegeben - die Mehrheit der Mitglieder jenes Gremiums, das die Atomkraftwerke bewilligt, Aktien der Atomindustrie besitzen würde? Eine Frage im Sinne von: &lt;a href=&quot;http://www.google.com/search?hl=en&amp;lr=&amp;safe=off&amp;q=%22wer+kontrolliert+die+kontrolleure%22&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Wer kontrolliert die Kontrolleure&lt;/a&gt;?&lt;br /&gt;
UPDATE 12.12.: Der Vergleich mit dem AKW-Gremium hinkt natürlich so, wie oben beschrieben. Präziser wäre: Das energiepolitische Gremium, das in Grundlagenpapieren zuhanden der Behörden den Bedarf für neue AKWs feststellt, ist personell teilweise deckungsgleich mit der Bauherrschaft von AKWs. So etwa.</description>
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    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://sesam.twoday.net/topics/Margraf&quot;&gt;Margraf&lt;/a&gt;</dc:subject>
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    <title>Bioethikkonvention ist NICHT ratifiziert</title>
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    <description>An einer &lt;a href=&quot;http://sesam.twoday.net/stories/1145130/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Informationsveranstaltung&lt;/a&gt; für Studierende und Fakultätsmitglieder am Dienstag, dem 15.11.2005, waren erste nähere Informationen über Teilprojekte von Sesam zu erfahren und konnten Fragen gestellt werden. Auf die Frage eines Studierenden, ob denn nicht die Zustimmung jeder Person, also auch der Kinder, nötig sei bei der Entnahme von genetischem Material, verwies Jürgen Margraf auf die Bioethikkonvention und versicherte, diese sei auch in der Schweiz ratifiziert.&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.ofj.admin.ch/bj/de/home/themen/gesellschaft/gesetzgebung/biomedizin.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Das ist sachlich falsch&lt;/a&gt;. Damit hat Jürgen Margraf seinem Publikum eine Fehlinformation weitergegeben. Die Schweiz hat die Bioethkkonvention des Europarates NICHT ratifiziert. Und laut Auskunft des Bundesamtes für Justiz (BJ) von heute ist auch nicht mit einer Ratifikation zu rechnen in den nächsten Jahren. Das Schweizer Parlament hatte den Ratifikationsprozess sistiert bis zum Abschluss der Behandlung des Transplantationsgesetzes. Dieses tritt voraussichtlich &lt;a href= &quot;http://www.bag.admin.ch/transpla/gesetz/d/index.htm&quot;  target=&quot;_blank&quot;&gt;am 1.1.07 in Kraft&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
Es ist, laut BJ, ebenfalls nicht damit zu rechnen, dass die Konvention ratifiziert wird, bevor nicht auch das Bundesgesetz über die Forschung am Menschen in Kraft ist. Und dazu startet - voraussichtlich - im Laufe dieses Winters &lt;a href=&quot;http://www.bag.admin.ch/humanforsch/gesetz/d/index.htm&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;erst mal die Vernehmlassung&lt;/a&gt;. Von der Vernehmlassung bis zum geltenden Gesetz ist es meist ein sehr weiter Weg von mehreren Jahren.&lt;br /&gt;
in dubio pro reo: Wer hat Jürgen Margraf den Bären aufgebunden, dass die Schweiz die Bioethikkonvention ratifiziert habe?</description>
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